Lustig ist das Lehrerleben

Von Elias Kettnaker, November 2014

Was darf man als Lehrer alles von seinen Schülern in der Dorfschule annehmen? Gilt die Metzelsuppe, die bei der alltäglichen Schlachtung im Dorf anfällt schon als Bestechungsversuch?

Solche und andere banale Fragen beantwortet das Taschenbuch »Guten Morgen, Herr Lehrer« auf lustige und feinsinnige Weise.

Drei Dorfschullehrer erzählen ihre jeweiligen Erfahrungen, die sie in der »einklassigen Dorfschule« gemacht haben. In einer solchen Schule geht es kunterbunt zu: In der ersten Reihe sitzen vier Erstklässler, die das ABC lernen, daneben zwei Fünftklässler, die die heimische Flora (Mitbringsel aus dem eigenen Garten) begutachten und am Tisch dahinter rauchen die Köpfe von sechs Achtklässlern, die den Satz des Pythagoras verstehen müssen.

Den Sinn oder Unsinn der Schulform zu ergründen ist nicht Ziel des Buches. Vielmehr geht es um Eindrücke, die sehr subjektiv sind und vor allem unterhalten sollen. Dies gelingt auf knapp 250 Seiten fast immer gut. Die einzelnen Episoden der drei Pädagogen sind meist nicht länger als eine Doppelseite und können größtenteils für sich allein gelesen werden und einen zum Schmunzeln bringen. Hierin liegt aber auch eine mögliche Schwäche. So liest man an einem Abend gemütlich ein paar Seiten und das war’s. Von dem Buch geht keine fesselnde Faszination aus, kein Zwang, es in einem großen Schwung durchzulesen. Dies soll keineswegs den Unterhaltungswert des Buches schmälern, zu drollig und auch immer wieder überraschend sind die Handlungen der Lehrer und vor allem die der Schüler. Wie vielseitig ist der Lehrerberuf! Hier muss man auf der Landstraße ein 75-Meterlauf organisieren, im Klassenzimmer muss der Herr Lehrer im Tierkunde-Unterricht tunlichst vermeiden, dass Anne-Marie und Hans nebeneinander sitzen. Sie brachte ihr Kätzchen mit, er seinen Schäferhund. Und auf Klassenfahrt in Hamburg freut sich der Deutschlehrer insgeheim über feixende Einheimische, die sich über den starken pfälzischen Dialekt lustig machen. Jetzt verstehen seine Schüler, warum er immer wieder Wert auf das Hochdeutsch legt.

Als Letzter der drei Autoren geht Egon Busch implizit auf die schulgeschichtlichen Veränderungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein, sodass nebst der leichten Unterhaltung auch Hintergründe des Wandels, den alle drei Lehrer in ihrer Laufbahn durchgehen müssen, klar werden.

Das Buch sorgt für kurzweiligen Lesespaß, nicht nur für aktuelle und ehemalige Lehrer, sondern auch für Schüler.

Ach übrigens, Metzelsuppe darf man getrost annehmen und genießen. Sie schmeckt ausgezeichnet.

Siegfried Kirchner, Manfred Wenderoth, Egon Busch: Guten Morgen, Herr Lehrer. Drei Dorfschullehrer erzählen. 1959-2002. Unterhaltsame und heitere Erinnerungen an die einklassige Dorfschule, brosch., 256 S., mit vielen Abbildungen, Ortsregister, EUR 10,90, Zeitgut Verlag, Berlin 2014

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