Mütter, die arbeiten, sind keine Rabenmütter

Von Manuela Ziegert, November 2009

Wer ist eine Rabenmutter? Ist es die, die zu Hause sitzt und nicht täglich mit ihrem Kind irgendwelche Kurse besucht, oder ist es die, die bald nach der Geburt wieder arbeiten geht und ihr Kind in einer Betreuungseinrichtung abgibt? Offenbar scheinen andere Länder damit keine Probleme zu haben, denn »Rabenmutter« ist ein deutsches Phänomen. So widmet sich die Autorin erst einmal der Mütterbeschäftigungsindustrie: den Mutter-Kind-Gruppen, den PEKip-, Baby-Yoga-, Säuglingsschwimm- und – der letzte Schrei – Babyzeichensprache-Kursen! Erläutert werden Vor- und Nachteile dieser Veranstaltungen. Sie beginnen während der Schwangerschaft und enden meist mit dem Angebot: »Wie komme ich durch die Pubertät?« Also wären Mütter bis dahin voll auf beschäftigt. Wer soll da bitte noch arbeiten gehen? Es werden weiter bestimmte Mutter- und Vater-Typen erläutert und schließlich wird Bilanz gezogen: Nehmen die Kinder wirklich Schaden, wenn sie mit einem halben Jahr fremdbetreut werden? – Das ist von Kind zu Kind verschieden. Wichtiger ist die Gesamt-Familiensituation. So kann Jutta Hoffritz schlussfolgern: »Rabenmütter sind besser als ihr Ruf!« Sie sind genauso gute Mütter, selbst wenn sie den halben Tag arbeiten und sich nicht ausschließlich allein um ihren Nachwuchs kümmern. Falls »Frau« nicht sicher ist, ob sie sich als »Glucke« oder »Rabenmutter« titulieren lassen will, sollte sie dringend dieses Buch lesen.

Jutta Hoffritz: Aufstand der Rabenmütter. Warum Kinder auch ohne Baby-Yoga und Early-English glücklich werden. 208 S., brosch. EUR 8,95. Knaur-Verlag, München 2008.

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