Praktische Himmelskunde

Von Albrecht Hüttig, März 2019

Wolfgang Held hat den neuen Sternkalender unter das Motiv der sogenannten großen Konjunktion von Jupiter und Saturn gestellt, die am 21.12.2020 beide Planeten von der Erde aus betrachtet ganz dicht beieinander erscheinen lassen wird.

Er erinnert an Johannes Kepler, der bei seinen Berechnungen zum Ergebnis kam, es habe eine solche Konjunktion im Jahr 7 n. Chr. gegeben und glaubte, aus ihr hätten die heiligen drei Könige, von deren Besuch das Matthäus-Evangelium berichtet, die Geburt Jesu erkannt. Da Keplers »Harmonices Mundi« vor 400 Jahren erschienen sind, wird ihnen ein kurzes, prägnantes Kapitel gewidmet.

Eine wohltuende Haltung, die den »Sternkalender« durchzieht, manifestiert sich in den Bezügen, die Held für jeden Monat zwischen Jahreszeiten und den Phänomenen am Himmel herstellt – wohltuend deshalb, weil in Zeiten, die von materialistischen Modellen geprägt sind, oft vergessen wird, dass es sich um einen Kosmos handelt, in dem wir leben. Für jeden Monat wird graphisch und tabellarisch aufgezeigt, in welchem Zeichen bzw. Sternbild des Tierkreises (Zodiakus) sich die Planeten und die Sonne befinden. Das graphische Material und die Bilder sind ästhetisch ansprechend. Gut gelungen ist die Konzeption, am Ende der Publikation in kurzen Kapiteln thematische Schwerpunkte zu setzen, so zu den einzelnen Planeten, zu den Mondrevolutionen, den Sonnen- und Mondfinsternissen oder zum Merkurtransit, der sich am 9. November vor der Sonne vollziehen wird. Im Kapitel »Kalenderjahr und Osterregel« bezieht Held chinesische, jüdische und islamische Kalender ein, was dem »spirituellen Miterleben« durch Rudolf Steiners »Seelenkalender« einen globalen Rahmen gibt. Er weist auf die Sonnenfinsternis hin, die am 2. Juli in der südlichen Hemisphäre sichtbar sein wird. Wie nebenbei führt er aus, dass jede ellip­tische Revolution der Erde »eine Spirale darstellt«. Eine kurze Erklärung dafür – der heliozentrische Fixpunkt wird als dynamisch bewegt aufgefasst – wäre erhellend. Wer die Angaben zu Auf- und Untergängen von Planeten exakt auf die geographische Breite des eigenen Beobachtungsortes umrechnen will – Held bezieht sie auf Basel –, dem wird dazu eine Anleitung gegeben. Der »Sternkalenders« ist nicht nur interessierten Erwachsenen zu empfehlen, sondern auch Schülern, die in der Mittelstufe ihre erste Astronomie-Epoche erlebt haben.

Wolfgang Held: Sternkalender. Ostern 2019 bis Ostern 2020. Auf dem Weg zur großen Konjunktion, kart., 179 S., EUR 25,–, Verlag am Goetheanum, Dornach 2018

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