Temperamente – der Generalschlüssel

Von Wolfgang Debus, März 2020

Wer sich als Klassenlehrer jahrelang bemüht, einen der wichtigsten Hinweise Rudolf Steiners zum kindgemäßen Unterrichten in der Praxis zu verfolgen, weiß, wie schwierig es ist, sich die Temperamentslehre zu eigen zu machen und bei jedem Unterrichtsthema zu berücksichtigen.

Neben den Erklärungen der Gen- und Verhaltensforschung, neben den Versuchen, den Verlauf menschlicher Biografien als das Ergebnis falscher oder richtiger Erziehung zu deuten, oder sogar hinsichtlich der mitgebrachten Schicksalsintentionen eines Menschen, stellt das Temperamentespektrum eines jeden Menschenkindes einen weiteren Hinweis auf seine Einzigartigkeit dar. Denn bei aller Vergleichbarkeit und Typisierung von Temperamentsäußerungen, deren Beachtung zu einem verträglicheren Umgang dienen kann, bleibt jeder Mensch zeit seines Lebens unverwechselbar und behält eine gehörige Portion rätselhafter Eigenheit. Franz Uschkoreit ist es in seinem Werk gelungen, die Systematik der Temperamentslehre zu vervollkommnen und für den Umgang in der Erwachsenenwelt zu erweitern und aufzuwerten. Die zunächst überwältigende Fülle an Merkmalen, die unterschiedlichsten Tönungen der Temperamente, die der Autor hier gesammelt und beschrieben hat, gestalten sich bei intensiver Beschäftigung mit dem Thema und wahrscheinlich letztlich erst in der täglichen Arbeit damit zu einem offenen System, mit dem es möglich ist, über die Pädagogik hinaus in der Arbeitswelt, in der Partnerschaft und in der medizinischen Diagnose Menschen besser zu verstehen, den wesensgemäßen Arbeitsplatz für jeden zu finden, sowie Krankheiten und (Miss-)Stimmungen besser zu begegnen.

Franz Uschkoreit: Menschen verstehen und damit Erfolg haben, 164 S., geb., EUR 29,80, tredition, Hamburg 2018

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