Vom Sinn der Demenz

Von Wolfgang Debus, Februar 2013

Jan-Pieter van der Steen ist Allgemeinarzt mit Schwerpunkt Sozialpsychatrie und Geriatrie in Holland. Er arbeitet hauptsächlich mit Demenzkranken und älteren Menschen mit psychischen Problemen. Sein Buch ist Information, Ratgeber und wohltuende Hilfe für alle Betroffenen. Anders als bei anderen Krankheiten, die erst in einem besonders schweren und fortgeschrittenen Stadium den Patienten in die Obhut und Verantwortung der ihn pflegenden Menschen nötigen, sind alle Krankheitsvarianten, die unter dem Begriff »Demenz« zusammengefasst werden, dadurch gekennzeichnet, dass der Kranke zunehmend seine Autonomie verliert und notwendige Alltagsverrichtungen immer weniger kontrollieren kann. Der Kranke selber wird einen solchen Ratgeber deshalb nur in einem frühen Stadium seiner Krankheit lesen, verstehen und für sich nutzbar machen können.

Das Buch schildert Beispiele aus der alltäglichen Praxis des Arztes, die Möglichkeiten der behutsamen und doch klaren Diagnose, die verschiedenen Therapien und empfohlenen Umgangsweisen mit dem Kranken, die Möglichkeiten, aber auch Grenzen der familiären Begleitung und nicht zuletzt bietet es wichtige Adressen von Ansprechpartnern, Hilfsorganisationen und Heimen.

Der Grundgedanke ist ermutigend: Demenz hat einen Sinn. Sie ist eine Antwort auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und korrigiert diese. Demenzkranke sind wenig ansprechbar im logischen Denken und vom Kopf gesteuerten Handeln. Sie sind aber ansprechbar in der unmittelbaren Begegnung, in ihrem Fühlen, im – vor allem künstlerischen – Handeln. Sie sind nur in der Gemeinschaft überlebensfähig.

Jan-Pieter van der Steen: Demenz und Altersverwirrtheit. Hintergründe und Praxishilfen, kart., 304 S., EUR 22,90, Urachhaus Verlag, Stuttgart 2012

Folgen