Was uns alle betrifft

Von Bernhard Mrohs, November 2013

Nach einem großen Verlust kann Schmerz so tief sein, dass er lähmt, unfähig macht, das Richtige zu denken und zu tun. Dann die Trauer. Wie soll mit ihr umgegangen werden? Wie ihr Raum und Form geben? Wo früher im Familien- und Nachbarschaftsverband Hilfe und Unterstützung geleistet wurde, sind heute Betroffene vielfach allein. Manche versagen sich, ihre Trauer zu leben, andere meinen, durch Arbeit am besten mit ihr fertig zu werden. Wieder andere brechen zusammen. Trauer ist so individuell wie die Menschen, die sie erleiden müssen.

Cordelia Böttcher, Pfarrerin der Christengemeinschaft, hat sich dieses Themas im vorliegenden Buch angenommen. Sie beleuchtet die Trauer in all ihren Facetten mit Sachkenntnis und Einfühlungsvermögen. Dabei bespricht sie ausführlich das Phänomen des Todes und die Betroffenheit der Hinterbliebenen. Sie spricht für eine Kultur des Trauerns und des Tröstens. Im Verlauf ihrer Ausführungen gibt sie Hilfestellungen, ein neues Verhältnis zu den Verstorbenen und letztlich zur geistigen Welt zu finden, und zeigt, wie Kräfte aus dem Prozess des Trauerns gewonnen werden können. Ihn teilt sie in verschiedene Stufen ein, die sie als »Lernen der Trauer« bezeichnet.

Die Trauer kann so zu einer Verbindung mit dem Geistigen führen und zu einer neuen Sicht auf das Leben. Zwischen ihren Texten platziert die Autorin Gedichte und Gedanken vor allem aus der neueren Literatur, die sich gut einfügen. Trauern lernen ist ein Buch, das jeder in die Hand nehmen sollte, weil es jeden betrifft.

Cordelia Böttcher: Trauern lernen – Verstehen und verwandeln von Verlusten, geb., 112 S., EUR 16,–, Urachhaus, Stuttgart 2013

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