Wie sich Eltern vor ihren verhaltensauffälligen Kindern schützen

Von Ulrike Schmoller, November 2009

Die Pubertät bringt so gewaltige Umbrüche mit sich, dass viele Familien an die Grenzen ihrer Belastbarkeit kommen. Da werden neue Verhaltensweisen ausprobiert, extreme Haltungen vertreten, Gefühlsschwankungen durchgemacht und die Stacheln aufgestellt, wobei sich viele Eltern die Frage stellen, ob ihr Sprössling noch normal ist oder gerade in eine psychische Krankheit abdriftet. An diesem Übergang setzt das Buch von Martin Baierl an. Es bietet zu den zehn wichtigsten im Jugendalter auftretenden Krankheitsbildern Hilfe für die Eltern an. Informationen über die Erscheinungsformen, die Risikofaktoren und die Ursachen erleichtern die Einordnung des abweichenden Verhaltens und eine Einschätzung des Schweregrades.

Anschließend führt er aus, wie sich der Alltag mit einem betroffenen Jugendlichen gestalten lässt, wie ihm die Eltern zur Seite stehen können und was sie fördern bzw. unterbinden sollten. Eine ganz wesentliche Unterstützung bieten seine Hinweise zur Selbstfürsorge der Eltern, mit denen er diese ermutigt, ihre Schuldgefühle und Überlastungen anzuerkennen und wenn nötig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Er nennt die Kriterien dafür, wann eingegriffen werden muss, klärt über Psychopharmaka auf und weist auf Maßnahmen der Jugendhilfe, Anlaufstellen und weiterführende Literatur hin. Für Eltern stellt es eine enorme Entlastung dar zu lesen, was für eine Herausforderung das Zusammenleben mit einem psychisch kranken Jugendlichen bedeutet, wie sie sich selbst schützen und ihr eigenes Wohlbefinden sichern können, auch wenn ihr Kind leidet. Auch Lehrer finden hier einen Überblick, durch den sie pathologisches Verhalten ihrer Schüler besser einordnen können.

Martin Baierl: Familienalltag mit psychisch auffälligen Jugendlichen: Ein Elternratgeber. 240 S., m. 18 Tab., kart. EUR 19,90. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009.

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