Liebe Leserinnen und Leser der erziehungsKUNST

Von Henning Kullak-Ublick, März 2021

Sie halten eine der am längsten bestehenden Zeitschriften Deutschlands in der Hand. Im Online-­Archiv der erziehungskunst finden Sie Beiträge, die bis ins Jahr 1927 zurückreichen.

Über Jahrzehnte war diese Zeitschrift das zentrale Organ der Waldorflehrer, um sich über ihre Unterrichtserfahrungen, Forschungsfragen und zur Zeitgeschichte auszutauschen. Liest man in alten Ausgaben, fällt immer wieder das tiefernste, oft kontrovers geführte Ringen um eine Pädagogik auf, die den werdenden Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Zeitbezüge waren dabei immer anwesend, oft in klugen Reflektionen, die immer noch gültig sind, manchmal auch in zeitgebundenen Urteilsmustern, die uns heute ein bisschen anmuten wie Reklamefilme aus den 1950er Jahren.

Vor dreißig Jahren engagierte Stefan Leber, Vorstand im Bund der Freien Waldorfschulen, Mathias Maurer frisch von der Uni weg als Chefredakteur. Damit zählt Mathias heute seinerseits zu den am längsten aktiven Chefredakteuren in Deutschland. Mit seinem Redaktionsteam hat er das Wachstum, die Verwandlungen, die Krisen und Herausforderungen unserer Schulbewegung mit nie nachlassender Neugier und einer tiefen inneren Verbundenheit zu ihrem anthroposophischen pädagogischen Impuls begleitet. 2010 machte die erziehungskunst eine tiefgreifende Verwandlung von einem kleinen, aber feinen, Fachblatt zu einem Magazin für alle Interessierten durch, samt Online-Präsenz und den spezial-Heften für themenspezifische Sondereditionen. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag Freies Geistesleben – und hier ganz besonders mit Maria A. Kafitz, der die Erziehungskunst u.a. ihr frisches Layout verdankt – trug zu dem erfolgreichen Neustart ebenso bei wie der Beschluss der Schulen, die Zeitschrift allen Elternhäusern zugänglich zu machen.

Ich durfte diese Umstellung als (Mit)-Herausgeber hautnah begleiten und bewundere bis heute die Entschiedenheit, mit der die Redaktion für das Niveau ihrer Zeitschrift kämpfte, um die Umstellung anschließend hochprofessionell umzusetzen. Bei allen redaktionellen Kontroversen, die zu einer ordentlichen Zeitschrift gehören, war unsere Zusammenarbeit immer von kollegialer Achtung und dem Grundvertrauen getragen, dass wir uns in den wesentlichen Zielen einig sind.

2020 war ein Ausnahmejahr, das auch an der erziehungskunst nicht spurlos vorüberging.

Erstmals seit 2010 gab es anlässlich der Corona-Krise eine tiefgreifende Kontroverse zwischen Herausgeber und Redaktion, die sich an einer Unterseite der Online-Ausgabe entzündete. Das Corona-spezial-Heft vom Januar 2021 zeigt, dass unterschiedliche Sichtweisen trotzdem weiterhin Platz in unserem Flaggschiff haben, und das ist gut so!

Aber das letzte Jahr hat mich auch gelehrt, dass die Zeitschrift einen neuen Anfang braucht. Mehr als hundert »Standpunkte« und manches mehr durfte ich schreiben, meistens unterwegs und immer auf den letzten Drücker. Mit dieser Ausgabe verabschiede ich mich jetzt aus dem Redaktions-­Team und wünsche der erziehungskunst, dass sie für die Kinder und die Zukunft unserer Pädagogik immer den frisch wehenden Wind des Geistes in ihren Segeln hat!

In großer Dankbarkeit, Ihr

Henning Kullak-Ublick

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