Trittbrettfahrer

Von Anne Cramer, November 2015

Leserbrief zu dem Beitrag von Sara Koenen »Masern zwischen Mut und Meinung«, »Erziehungskunst« September 2015.

»Impfen ist nicht als Privatsache zu sehen, es dient nicht nur dazu, sich selbst vor Krankheiten zu schützen, sondern hat eine wichtige solidarische Funktion: ein hoher Durchimpfungsgrad der Bevölkerung schützt diejenigen, die nicht geimpft werden können, wie Säuglinge und Menschen mit Immunschwächekrankheiten.

Je höher die Durchimpfungsrate ist, desto rationaler erscheint die individuelle Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen und desto weniger hat dies für einen selbst unangenehme Konsequenzen. Denn man profitiert von der ›Herden-Immunität‹ dann sozusagen als ›Trittbrettfahrer‹.«

Dies ist ein Zitat aus dem Experten-Symposium des deutschen Ärzteverlags, auch als Podiumsdiskussion unter www.dgim-onlinekongress.de nachzulesen.

Ich bin Mutter von sechs Kindern (vier an der Freien Waldorfschule Flensburg) und Ärztin. »Wir alle Mütter« haben mit unseren Säuglingen schon davon profitiert, dass es kaum ein Infektionsrisiko in Reichweite unserer geliebten Babys gab.  Jetzt hat eines meiner Kinder eine Immunschwäche.

Die freie Entscheidung über das Impfen wird nur vom »Starken« (Immunkompetenten) getroffen, der »Schwache« hat keine Wahl , wenn er infiziert wird.

Kommentare

Anouk , 07.12.15 21:12

Vielen Dank für diesen tollen informativen Leserbrief!
Bin komplett Deiner Meinung!

Lernender , 09.01.16 15:01

Hallo Anne und Anouk:

Entweder Ihr oder ich habe bei den Impfungen etwas grundlegend nicht verstanden. Wenn sich jemand / jemand sein Kind impft, dann sollte er / sie / es doch anschließend immun sein (so zumindest die Werbung). Wenn jemand nicht impft, nimmt er / sie in Kauf, die Krankheit zu bekommen.

Warum braucht es dann die von Euch zitierte "Herden-Immunität"? Diejenigen, die impfen, sind doch Ihrer Meinung nach immun. Die anderen wählen eben den anderen Weg.

Wo ist das Problem? Warum sollte ich zur einen oder anderen "Herde" gehören? Ich kann mich frei für den einen oder anderen Weg entscheiden.

Oder macht eine Impfung doch nicht immun? Wenn dem so wäre: Warum impft man dann überhaupt? Mit all den bekannten Nebenwirkungen und Problemen? Wenn es am Ende doch nicht sicher ist?

Irgendwo stimmt da die Logik nicht. Aber vielleicht bin ich zu sehr Naturwissenschaftler, denke zu sehr in logischen Kategorien und bin nicht bereit, die Hochglanzwerbung der Impfindustrie kritiklos nachzuplappern. Doch vielleicht habe ich Lern-Bedarf, weil ich irgendetwas falsch verstanden habe...

Elke Ospert, Mainz, 12.01.16 13:01

"Warum braucht es dann die von Euch zitierte "Herden-Immunität"? Diejenigen, die impfen, sind doch Ihrer Meinung nach immun. Die anderen wählen eben den anderen Weg."

Erstens kann man Kinder erst ab 12 Monate gegen Masern impfen (prinzipiell auch schon mit 9 Monaten allerdings ist die Impfung dann weniger zuverlässig).
Entsprechend brauchen jüngere Kinder den Schutz der "geimpften Herde" - die verhindert dass sie mit Masernviren in Kontakt kommen.

Zweitens gibt es Menschen die aus gesundheitlichen Gründen (Erkrankungen des Immunsystems) nicht geimpft werden können - die sind noch mehr auf den Schutz der "Herde" angewiesen.

Drittens sind Impfung (wie jede andere medizinische Massnahme auch) nicht 100% zuverlässig. Auch bei zweimaliger Masernimpfung bleiben circa 2 von 1000 Geimpften ohne Masernimmunität.
Bei ausreichend hoher Impfquote ist das durch die entstehende Herdenimmunität kein Problem - bzw. ein sehr geringes Risiko - aber eben nur dann....

"Oder macht eine Impfung doch nicht immun? Wenn dem so wäre: Warum impft man dann überhaupt?"

Zwischen "in 100% aller Fälle wirksam" und "in 0% aller Fälle wirksam" gibt es aber noch viele Zwischenstufen.

Auch ein Sicherheitsgurt im Auto schützt nicht bei 100% aller Unfälle. Deswegen ist er noch lange nicht vollkommen unwirksam..

"Aber vielleicht bin ich zu sehr Naturwissenschaftler"

Ein bisschen recherchieren sollte aber zum kleinen 1 x 1 eines Naturwissenschaftlers gehören....

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