Überall anders. Ernährung und Verpflegung an Waldorfschulen

Von Petra Kühne, Juli 2013

Schulküchen heißen heute Mensa, Ess-Bar, Cafeteria oder sogar Schul-Restaurant. Ebenso breit gestreut ist das Selbstverständnis, das von der täglichen warmen Mahlzeit am Familientisch bis zum Snack in Pausen reicht. Individuelle Gestaltung ist ein Merkmal der Waldorfschulen und ebenso schultypisch ist die Gemeinschaftsverpflegung organisiert.

Einmal jährlich treffen sich die Mitarbeiter aus dem Verpflegungsbereich und die Lehrerinnen, die Ernährung und Hauswirtschaft unterrichten, zu einem gemeinsamen Lernen und Austauschen. Seit bereits 28 Jahren organisieren Hauswirtschaftslehrerinnen und Küchenleiterinnen der Waldorfschulen jährlich im Februar/März die Fachtagung mit dem sperrigen Titel »Hauswirtschaftsunterricht und Gemeinschaftsverpflegung an Waldorfschulen«. Sie richtet sich an die Kollegen von Regel- und heilpädagogischen Waldorfschulen, aber auch von Waldorfkindergärten. Der Bund der Freien Waldorfschulen ist der Träger der Veranstaltung.

Verantwortlich für die Organisation und den Inhalt ist eine aktive Gruppe von Hauswirtschaftslehrerinnen und Küchenleiterinnen, die eine Arbeitsgemeinschaft bilden.

Jedes Jahr ist eine andere Schule Gastgeber

Eine Besonderheit liegt darin, dass der Tagungsort jedes Jahr wechselt. Jeweils eine Waldorfschule ist Gastgeber. In den letzten fünf Jahren waren dies Saarbrücken (2013), Wien (2012), Freiburg (2011), Mühlheim (2010) und Mannheim (2009). Dadurch lernen die Teilnehmer Jahr für Jahr eine andere Schule mit ihrer individuellen Schulküche, Ausstattung und örtlichen Organisation kennen. Die gastgebende Schule verpflegt die Teilnehmer. In diesem Jahr wurde erstmalig ein neues Konzept erprobt, bei dem jeweils eine Arbeitsgruppe der Tagungsteilnehmer Mittag- oder Abendessen für alle kochte. Da eine der erfahrensten Getreideköchinnen, die Kochbuchautorin Emma Graf, diese Arbeitsgruppe leitete, verband sich die Verpflegung mit praktischer Weiterbildung für die Kinderernährung.

Vitamine und Mineralstoffe

Inhaltliche Grundlage ist die Ernährung nach anthroposophischen Gesichtspunkten. Sie wird thematisch von verschiedenen Seiten beleuchtet. 2013 waren Temperamente und Ernährung das Thema, 2012 und 2011 die Vitamine und zwei Jahre davor die Mineralstoffe. Solche Grundlagenarbeit hilft, die Bedeutung der Ernährung für die Kinder in ihren körperlichen, seelischen und geistig-sozialen Aspekten zu verstehen und geht daher weit über eine naturwissenschaftliche Ernährungslehre hinaus. So gibt die Tagung immer wieder Impulse und Motivation für die alltägliche Arbeit.

Austausch mit Kollegen

Der kollegiale Austausch zwischen Waldorfschulküchen – durchaus nicht selbstverständlich quer durch Deutschland und sogar mit Kollegen aus Österreich und der Schweiz – führt zu manchen Lösungen, wenn man sieht, wie andere mit ähnlichen Situationen umgehen. Gerade für neue Mitarbeiter an Waldorfschulküchen bietet diese jährliche Fachtagung eine Möglichkeit in diese Themen einzusteigen.

Die nächste Fachtagung findet vom 6.–9. März 2014 in der Freien Waldorfschule Hof (Bayern) statt.

Kontakt: kgrieger(at)googlemail.com oder betgeogeiger(at)yahoo.de

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