Wahrnehmen der Lebenskräfte

Von Ulla Hoff, April 2015

Manchem Leser wird das kleine Büchlein des Autors, »Was ist Heileurythmie«, das vor fast 25 Jahren erschienen ist, bekannt sein.

Nun hat er ein neues herausgegeben, ebenfalls in Briefform, das sich wiederum an Menschen richtet, die der Heileurythmie schon in irgendeiner Form begegnet sind. Es wendet sich aber auch an all jene, die sich für die Welt der Lebenskräfte interessieren.

Die vom Autor gewählte Form regt im Lesenden etwas eher Ungewohntes an. Sie ermöglicht einen sehr persönlichen Dialog, so, als stünde man beim Üben mit seinen Fragen nebeneinander.  

Jeder der sieben Briefe widmet sich einer anderen Fragestellung. Anfangs werden wir durch die musikalische Skala geführt, in der jedes Intervall durch ganz spezifische Bewegungen erlebt, empfunden werden kann. Im Anschluss an die jeweilige Bewegungsaufgabe wird die Achtsamkeit des Übenden auf die entstehende Nachwirkung, den Nachklang gelenkt, vergleichbar dem Nachbild beim Sehen von Farben. In dieser aktiv lauschenden Pause können zunächst keimhaft, aber allmählich sich verstärkend neue Wahrnehmungsqualitäten entstehen, Fähigkeiten, durch die das eigene Empfinden zum Wahrnehmen der Lebensprozesse hinführen kann. Durch diesen aktiv erlebten Nachklang kann ein Intervall dann auch zum Tor für das Wahrnehmen der Lebenskraft eines Organes werden. So wird der Leser vom musikalischen Grundton, der Skala folgend, bis zur Sext und Septim hingeführt und kann vielleicht erahnen, wie jede der Bewegungen auch eine spezifische Wirkung über dieses »Lebens-Kräfte-Spiel« bis hinein in die physische Organisation ausüben kann.

Der sechste und siebente Brief zeigen den Übergang von den Lebenskräften, die im Menschen selber tätig sind, zu den Lebenskräften in der uns umgebenden Natur. Dies wird gleichzeitig als der Übergang von der Musik zur Sprache beschrieben. Thematisch wird in diesen Kapiteln der Unterschied zwischen der musikalischen und der sprachlichen Heileurythmie aufgezeigt, bei der sich durch die Vokal- und Konsonantenbewegungen das zuvor strömend Erlebte zum Leib hin verdichtet. Diese beiden Briefe richten sich vielleicht stärker an den beruflich mit der Heileurythmie verbundenen Leser und thematisieren Fragen an die Möglichkeiten und Perspektiven dieser noch so jungen Heilkunst.

Acht kurze Behandlungsverläufe ganz unterschiedlicher Patienten und deren Krankheitsbilder erlauben dem Leser am Schluss einen Blick auf eine mögliche therapeutische Anwendung der Übungen.

So wird gleichermaßen der interessierte Laie wie auch der Fachmann einen lebendigen, belebenden, erlebnisreichen, zum Nachsinnen geeigneten Genuss an diesen Briefen finden.

Lasse Wennerschou, Heil-Eurythmische Kunst. Ein bewusster Weg zu den Lebenskräften, Edition Widar, Preis: Euro 9.70

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