Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Das Projekt »Welt:Klasse« der Rudolf-Steiner-Schule Gröbenzell

Von Eva Assmann, Januar 2011

In den Verlautbarungen der Deutschen UNESCO-Kommission heißt es: »Nachhaltige Entwicklung hält die Welt im Gleichgewicht. Sie soll allen Menschen heute und in Zukunft die gleichen Chancen auf ein erfülltes Leben eröffnen. Grundlagen dafür bilden eine intakte Umwelt, ein stabiles, gerechtes Wirtschaftssystem und eine solidarische Gesellschaft. Hier setzt Bildung für nachhaltige Entwicklung an. Sie vermittelt Motivation, Wissen und Fähigkeiten, um komplexe Zusammenhänge der globalisierten Welt zu verstehen und selbst nachhaltig zu handeln.«

Ein hohes Ziel! Ist es an der Schule erreichbar? Wie lassen sich Kompetenzen vermitteln, die junge Menschen befähigen, sich für eine nachhaltige Entwicklung einzusetzen? Wie kann Bildung für nachhaltige Entwicklung an einer Waldorfschule aussehen? Die Rudolf-Steiner-Schule Gröbenzell geht neue Wege, die Bildung für nachhaltige Entwicklung ganzheitlich umzusetzen und in ihr Unterrichtskonzept zu integrieren. 

Lernaufenthalte in Asien und Afrika 

Konzeptionell und organistorisch unterstützt von der Stiftung Welt:Klasse nehmen die Gröbenzeller Schüler in Kleingruppen an vierwöchigen Lernaufenthalten in Asien und Afrika teil. Ohne begleitenden Lehrer fahren in diesem Schuljahr sechs Schüler der 11. Klasse nach Thailand und vier nach Kenia. Von dort aus berichten die Schüler in täglichen Blog-Einträgen und in einer zweistündigen Videokonferenz hautnah von ihren Erfahrungen. In Thailand leben die Jugendlichen mit ihren thailändischen Partnerschülern in einem Dorf der Karen, einer in Myanmar verfolgten ethnischen Minderheit, zusammen. Sie unterrichten in der Dorfschule und beteiligen sich zusammen mit gleichaltrigen Thais an der Arbeit der Dorfbewohner.

In Kenia wohnen sie in den Hütten der Macadamia-Bauern und unterstützen diese beim Pflanzen und Veredeln ihrer neuen, organisch kultivierten Nussbäume, die ihnen von der Macadamiafans GmbH zur Verfügung gestellt werden. Die Gröbenzeller Schüler sind eine der beiden Pilotgruppen von Macadamiafans.

Sie vertreiben ihre Bio-Nüsse auf öffentlichen Märkten und Schulveranstaltungen und auch über das Internet. Flyer und Werbematerial entwickeln sie selbst. Daneben eröffnen sie samstägliche Verkaufsstände in Bioläden und kooperieren mit einer Ökokiste, die ihre Nüsse beipackt. In den ersten fünf Monaten seit Aktionsbeginn haben die Schüler bereits 250 Kilogramm Macadamianüsse verkauft. Nach den Erfahrungen der letzten drei Jahre kehren die Schüler begeistert und hochmotiviert aus dem Ausland zurück. Sie bereichern den Unterricht zu Themen wie Globalisierung, Interkulturalität und gesellschaftliches Engagement mit ihren eigenen Erlebnissen und neuen Sichtweisen und sind bereit, sich auch in Zukunft für die Entwicklung einer nachhaltig wirtschaftenden, friedlichen und gerechten Weltgesellschaft zu engagieren. 

Auszeichnung durch die Deutsche UNESCO-Kommission 

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat »Welt:Klasse Gröbenzell« als Projekt der UN-Dekade »Bildung für nachhaltige Entwicklung« ausgezeichnet. Die Auszeichnung erhalten Aktionen, die die Anliegen dieser weltweiten Bildungsoffensive der Vereinten Nationen vorbildlich umsetzen. Die Auszeichnungen wurden am 24. November bei einer Veranstaltung in Neumarkt in der Oberpfalz übergeben. »Welt:Klasse Gröbenzell zeigt eindrucksvoll, wie zukunftsfähige Bildung aussehen kann«, so Gerhard de Haan, Vorsitzender des Nationalkomitees der UN-Dekade in Deutschland und Mitglied der Jury. 

Hinweis: Schulen, die sich im Rahmen einer nachhaltig wirtschaftenden Schülerfirma am fairen Handel des Macadamiafans-Projekts beteiligen wollen, wenden sich an Matti Spiecker unter ms(at)stiftung-weltklasse.de.

Mehr Informationen zur Stiftung Welt:Klasse unter: www.stiftung-weltklasse.de

Zur Autorin: Eva Assmann ist Lehrerin an der Rudolf-Steiner-Schule Gröbenzell und Projektleiterin der Stiftung Welt:Klasse

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