Eine Bienenoase an der Waldorfschule Wernstein

Von Inga Hümmer, Dezember 2017

Bienen, diese kleinen summenden Sonnenwesen begleiten uns nun schon seit letztem Mai, als die damalige zweite Klasse der Waldorfschule Wernstein in einer Bienenepoche gemeinsam mit der kleinen »Biene Sonnenstrahl« ein ganzes Bienenjahr erleben und die Völker unserer lieben Imkerin und Schulmama Mirjam Klatt besuchen durfte.

Die dritte Klasse gräbt das Pflanzloch. Foto: Inga Hümmer, Manuela Dörnhöfer

Diese hautnahe Begegnung mit den Bienen hat uns tief berührt und sehr beeindruckt! Und wir haben die Wernsteiner Bienchen nicht vergessen! Im Mai nun soll ein ganz besonderes Fest gefeiert werden: im Rahmen der Bauepoche der mittlerweile dritten Klasse soll auf unserem wunderschönen Schulgelände ein Bienenhäuschen errichtet und eingeweiht werden, das dann pünktlich zum Mai nächsten Jahres gemeinsam mit allen Waldorfschulen weltweit den Bienentag feiert – und sein einjähriges Bestehen!

Zu einer richtigen harmonischen Bienenheimat gehört aber natürlich mehr, als nur ein kleines, aus nachhaltigen natürlichen und recycelten Rohstoffen erbautes Häuschen! Ein duftendes, blühendes Sinnesgärtchen mit Trachtpflanzen und Kräutern soll es schmücken und den Bienen reichhaltig Pollen und Nektar für ihren Honig bieten! Dazu gehört aber auch noch ein Baum.

Schon Steiner sagte vor hundert Jahren, dass »wenn die Erde keine Bäume hätte, auf der Erde überhaupt keine Insekten wären. Denn die Bäume bereiten den Insekten die Möglichkeit, zu sein.«

Einen Obstbaum also wollten wir pflanzen, eine »alte« Sorte am liebsten. So einen Baum zu pflanzen, ist ein sehr tiefer und inniger Moment, er hilft dabei zu »erden«, inne zu halten in dieser hektischen und schnelllebigen Zeit. Ein Baum wird die dritte Klasse noch ihren gesamten Schulweg und weit darüber hinaus begleiten, die Kinder werden sein Wachsen und Werden beobachten, später sein Blütenkleid bestaunen, seine Früchte ernten und im Herbst die goldenen Blätter fallen sehen. Und die Bienen? Die werden sich, angezogen vom süßen Duft, summend in den Blüten tummeln.

Dank einer großzügigen Spende konnte nun der Wernsteiner Beitrag zur internationalen Aktion »Bees & Trees« zum 100-jährigen Bestehen der Waldorfbewegung starten. An einem nassen, stürmischen und bitterkalten Tag machte sich die dritte Klasse auf: Sie begann die Arbeit an ihrer eigenen kleinen Bienenoase.

Der erste Spatenstich gebührte unserem Spender, der persönlich mit Schaufel, Spaten und Humus bepackt zu uns an die Schule kam und den Drittklässlern nicht nur einen Apfelbaum, sondern ebenfalls sein ganzes Wissen über Apfelbäume schenkte. Und so schritten die Schülerinnen und Schüler mit ihm den besten Standort ab, gruben und schaufelten ein Loch in den lehmigen Boden, stutzten und stützten und pflanzten den kleinen Apfelbaum genau neben die bereits ausgehobene Baugrube für unser Bienenhaus. Und was so viel Freude bereitet hat, trägt sogar noch zu doppeltem Artenschutz bei: so schafft die 3. Klasse der Waldorfschule Wernstein nicht nur ein Heim für Bienen, sondern engagiert sich mit der Pflanzung der Apfelsorte »Josef Fischer« auch noch aktiv, eine »alte Obstbaumsorte« vor dem Aussterben zu bewahren.

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