Eine Waldorfschule mit staatlichem Lehrplan in Ägypten

Von Bijan Kafi, Juli 2010

Die SEKEM-Initiative versucht, in Ägypten eine ganzheitliche und persönlichkeitsorientierte Allgemeinbildung zu verwirklichen und dabei die Balance aus kultureller Sensibilität und Wertpluralismus zu halten.

SEKEM bildet

Die ägyptische Initiative SEKEM fördert die soziale und materielle Entwicklung in Ägypten. Sie unterstützt Arme und Benachteiligte durch vielfältige Bildungsangebote, die zum großen Teil auf der Waldorfpädagogik beruhen. Die »SEKEM-Schule« wagt dabei den Spagat zwischen engen staatlichen Vorgaben und einer liberalen Pädagogik.

192 Länder haben die UN-Konvention für die Kinderrechte seit 1966 ratifiziert. Sie verankert die Bildung des Kindes in den Menschenrechten. Doch bis heute ist umstritten, wie eine verbindliche Balance aus kultureller Flexibilität und universellen Rechten international gewährleistet werden kann. Die SEKEM-Schule bietet darauf eine mögliche Antwort. Mit ihrer Gründung hat Ibrahim Abouleish 1989 den Grundstein für eine ganzheitliche, persönlichkeitsorientierte und kulturell liberale Allgemeinbildung in Ägypten gelegt. Damit ist die SEKEM-Schule bis heute etwas Besonderes in Ägypten geblieben. Die Schule, die von einem Kindergarten ergänzt wird und rund 300 Schülern primäre und sekundäre Allgemeinbildung bietet, ist als reguläre Bildungseinrichtung anerkannt. Sie arbeitet jedoch in wesentlichen Aspekten nach der Waldorfmethodik und möchte ihren Einfluss langfristig ausbauen. Ob das ägyptische Privatschulrecht diese Pädagogik auch offiziell anerkennen wird, ist jedoch unsicher.

Die ägyptische Regierung überprüft die SEKEM-Schule und ihre Lehrpläne wie jede andere staatliche Einrichtung. »Wir können keinen Epochenunterricht durchführen; Stunden- und Zeitplan sind genau vorgegeben«, sagt Rafik Costandi, Oberstufenlehrer in SEKEM. »Fächer wie Kunst oder Handwerk werden hingegen wohlwollend aufgenommen.« Die Umsetzung des staatlichen Lehrplans und der Prüfungszeiten garantiert allen Schulabgängern anerkannte Zeugnisse. Der Besuch der Moschee gehört ebenfalls zum Ausbildungsprogramm. Zusatzangebote wie Musik-, Kunst-, oder handwerkliche Erziehung unterliegen keiner Prüfung. Sie bieten Raum für neue pädagogische Ansätze, wie gemeinschaftliche künstlerische Darstellung sowie Musik- und Werkunterricht in Häkeln, Stricken, Gartenbau oder Handwerk. Der einzelne Schüler soll als Mensch im Einklang mit seinem in Ägypten besonders gepflegten sozialen Gefüge gefördert werden. Außerdem betont die SEKEM-Schul­pädagogik das praktische Lernen – ein Novum im theorielastigen ägyptischen Schulsystem.

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Druckausgabe der Erziehungskunst 07/08 2010.

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