Europäische Elternarbeit

Von Ellen Niemann, September 2019

Das European Network of Steiner Waldorf Parents (ENSWaP) besteht in seiner jetzigen Form seit 2007. Zur ersten Konferenz 2011 auf Island traf sich ein Grüppchen von sechs Eltern. Sie legten den Grundstein für die jährlichen Treffen, die jeweils in einem anderen Gastgeberland stattfinden.

Wenn Waldorf nationale Grenzen überschreitet, entstehen die skurrilsten Namensvehikel ...

Seitdem haben Konferenzen in Riga, Wien, Stockholm, Budapest und Bologna stattgefunden. ENSWaP verfügt über kein eigenes Budget, daher müssen die Kosten für die Konferenzen von den teilnehmenden Eltern getragen werden. Die wenigsten werden von ihren Schulen oder Assoziationen im Land unterstützt. Reise, Unterkunft und Teilnahmegebühr bezahlen die Eltern aus eigener Tasche.

Jede Konferenz ist einem bestimmten Thema gewidmet. Auf den beiden letzten Elterntreffen lauteten sie zum Beispiel »Building Bridges« oder »Digital Reality in Waldorf Schools«. Im Jubiläumsjahr 2019 sollte nach Wunsch der Planungsgruppe Berlin der Austragungsort werden und mit der Freien Schule Berlin-Mitte hatte sich auch schnell eine Gastgeberschule gefunden. Dort trafen sich im Mai etwa 70 Waldorfeltern aus 15 europäischen Ländern, um sich zum Konferenzthema »100 Years of Waldorf Pedagogy – Preserving Ashes or Lighting Fires?« auszutauschen. Begleitet von drei Vorträgen von Christopher Clouder (Internationale Konferenz), Constanza Kaliks (Jugendsektion am Goetheanum) und Nana Göbel (Freunde der Erziehungskunst) haben sich die Eltern in intensiven Gesprächen darüber ausgetauscht, was Waldorfpädagogik für sie bedeutet, was sie verbindet und wie Elternmitarbeit sich nach 100 Jahren entwickelt hat.

Im Plenum haben die Eltern die Situation der Waldorfschulen in ihren Ländern vorgestellt und spätestens an diesem Programmpunkt zeigte sich, was zuvor nur im Einzelnen wahrnehmbar war: Waldorfpädagogik möglich zu machen und aufrecht zu erhalten, ist mehr denn je auch Elternaufgabe! In vielen Ländern haben die Schulen mit finanziellen Sorgen zu kämpfen, da es keine oder nur wenig Unterstützung von staatlicher Seite gibt; einige Länder gehen durch Mischformen mit staatlichen Schulen pädagogische Kompromisse ein.

Durch Gebäudemangel ist Ideenreichtum bei der räumlichen Gestaltung gefragt, beispielsweise muss eine kleine portugiesische Schule teilweise den Unterricht in einem überdachten Steinkreis im Freien abhalten. Die staatlichen Einmischungen und Auflagen machen das Leben in den Schulen schwer und erfordern ein hohes Maß an Umsicht und Unterstützung der pädagogischen Mitarbeiter, die diesem Druck nicht immer gewachsen sind. Insbesondere die Waldorfeltern aus Estland, Russland, Rumänien, Italien, der Ukraine, England, Tschechien und Frankreich haben in eindrücklicher Weise berichtet, wie staatliche Behörden alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Schulen zu schließen, anstatt die Pädagogik kennenzulernen und Freiheit im Bildungswesen zuzulassen.

Trotz der Härte mancher Umstände sind es gerade diese Eltern, die mit viel Enthusiasmus das Feuer nähren oder neu entzünden, um eine Pädagogik zu unterstützen, die ihnen nicht nur für das eigene Kind am Herzen liegt, sondern die sie auch zunehmend als eine gesellschaftliche Aufgabe betrachten.

Die nächste ENSWaP-Konferenz findet im April 2020 in Kiew, Ukraine, statt.

https://enswap.org

Wenn Waldorf nationale Grenzen überschreitet, entstehen die skurrilsten Namensvehikel: Von EFFE über ECSWE bis hin zu IASWECE und ECNAIS*. Das Europäische Waldorfeltern-Netzwerk bildet da keine Ausnahme: ENSWaP klingt zunächst sperrig, aber es lohnt ein Blick hinter die Abkürzung.

* ECSWE: European Council for Steiner Waldorf Education; EFFE: European Forum for Freedom in Education; IASWECE: International Association for Steiner/Waldorf Early Childhood Education; ECNAIS: European Council of National Associations of Independent Schools.

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