Was ist das bedingungslose Grundeinkommen?

Januar 2012

Ein menschenwürdiges Dasein ohne Existenzängste für alle – das ist das Ziel des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). Es sollte deshalb zum Leben ausreichend hoch sein. Erst so bekommt der Mensch den nötigen Freiraum, um für sich selbst und für die Gesellschaft Sinnvolles und Nützliches zu tun.

Wir haben wachsenden Wohlstand aber immer weniger bezahlte Arbeit. Die Lösung liegt in der Erkenntnis, dass die Wirtschaft heute einen Entwicklungstand erreicht hat, der die Trennung von Arbeit und Einkommen denkbar und möglich macht. Die Nichttrennung von Arbeit und Lohn ist die Ursache der Not im Sozialen. Durch die Industrialisierung sind wir von einer Selbstversorgungs- zur totalen Fremdversorgungsgesellschaft übergegangen. Niemand kann mehr eine Dienstleistung ohne die Zuarbeit von anderen erbringen.

Das Paradigma, von dem wir uns lösen müssen, ist der Irrglaube, man arbeite für sich selbst und lebe von seinem geldlichen Einkommen. Einkommen entsteht nicht durch meine Arbeit, sondern dadurch, dass andere eine Leistung für die Gemeinschaft durch ihre Gegenleistung – vorübergehend durch das dazwischen tretende Geld – honorieren.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist eine logische Konsequenz und Antwort auf die Fremdversorgungsgesellschaft. Im Lohn hat sich die Mentalität der Selbstversorgung erhalten. Die Tragik liegt darin, dass wir zum Sklaven des Geldes werden, indem wir alles Tun am Geld messen.

Machbarkeit und Finanzierung

Nur ein Drittel der Bevölkerung geht heute einer bezahlten, weisungsgebundenen und sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach. Das bedeutet: Erwerbsarbeit ist längst die Ausnahme. Würde man die heutigen Sozialtransfers und Subventionen mit einem Teil der eingesparten Kosten der Sozialbürokratie zusammenrechnen, könnte schon ein Grundeinkommen von 800 Euro pro Person und Monat gezahlt werden. Der Unternehmer Götz W. Werner hat ein Modell ausgearbeitet, bei dem das BGE ausschließlich durch eine Konsumsteuer finanziert wird. Wer mehr konsumiert, muss mehr Steuern zahlen. Alle anderen Steuern würden entfallen. Schon heute zahlen letztlich die Endverbraucher alle Steuern, denn sie werden in die Preise eingerechnet.

Im geltenden Steuerrecht wird die Maschinenarbeit subventioniert, die menschliche Arbeit dagegen durch hohe Lohnsteuern und Sozialabgaben überdurchschnittlich verteuert. Durch die ausschließliche Konsumsteuer sind die Unternehmen von der Last der Steuer und der Lohnnebenkosten befreit. Dadurch wird die menschliche Arbeit wieder erschwinglich. Weil menschliche Arbeit wieder bezahlbar werden würde, gewännen alle sozialen Berufe an Wert.

Auf der Grundlage eines Textes der Initiative Grundeinkommen München zusammengestellt von Lorenzo Ravagli.

www.grundeinkommen-muenchen.de

Folgen