WaveLounge statt Pausenhölle

Von Carina von Stackelberg, November 2010

Ein Aufenthaltsraum war vorhanden, der auf lernwillige und entspannungsbedürftige Schüler wartete. Das Ergebnis? Gelangweilte Schüler, die ihn verunstalteten und die wenigen Lernwilligen vertrieben. Was tun? Eine Zwölftklässlerin berichtet über die Entstehung der WaveLounge in Hamburg-Bergstedt.

Besser chillen: Von Schülern gestalteter Pausenraum an der Waldorfschule Hamburg-Bergstedt

November 2009.

Viola Rapelius, Kunstlehrerin der Rudolf-Steiner-Schule, hat eine Idee: ein klassenübergreifendes Projekt in Zusammenarbeit mit Künstlern, Architekten und Designern. Ziel ist es, einen Aufenthaltsort für Schüler zu gestalten, der in Freistunden und Pausen genutzt werden kann. Die Möbel sollen innovative, interessante Objekte werden, die auch nicht entfernt an die üblichen Gebrauchsmöbel und Formen erinnern, aber dem Anspruch an Design und Kunst gerecht werden. Der Gegenwartskünstler Leo Stern ist von Anfang an begeistert: »Ich finde die Idee großartig. Da steckt ganz viel Potenzial dahinter, und ich glaube, dass es erstens eine angenehme Arbeit sein und zweitens ein umwerfendes Ergebnis erzielt wird, auch wenn es ein schwieriger Weg wird …«

Februar 2010.

166 Schüler werden eingewiesen, Ideen gesammelt, sogenannte Moodboards gebastelt und – ganz wichtig – ein Zeitplan erstellt. Ein Schulhalbjahr soll das Projekt dauern. Wenige Wochen später sitzen junge Designer, Künstler und Architekten mit rauchenden Köpfen vor dem Grundriss und entwerfen einen neuen Raum: von Schülern für Schüler! Es gilt, vier Bereiche zu gestalten: zum Entspannen, zum Lernen, zum Chillen sowie einen Sitzbereich in der Küche, die mit dem Aufenthaltsraum verbunden ist. Anders als bei gewöhnlichen Schulprojekten ist hier der Spieß umgedreht: Die Schüler machen die Vorgaben, die Coaches stärken ihnen nur den Rücken und inspirieren sie.

April 2010.

In den Fluren stapeln sich fünf Quadratmeter Holzplatten und Bohlen. Etliche Farbtöpfe, Bohrmaschinen, Folien und Kleinteile bilden einen abenteuerlichen Hindernis-Parcours. Schüler in Blaumännern schrauben, sägen, streichen und schwitzen. Nebenan die Textilfabrik: Unter heißen Nadeln nehmen von Schülern entworfene Kissen und Sitzpolster Gestalt an. Unterschiedlich gemusterte Textilien, farblich abgestimmt, werden so verarbeitet, dass neue Stoffe entstehen.

Juni 2010.

Aus Vorschlägen von Schülern und in gemeinsamer Abstimmung entsteht der Name WaveLounge. Wieso gerade der? WaveLounge klingt befreiend, einladend und auch irgendwie chillig – oder?

September 2010.

Die WaveLounge wird feierlich eröffnet. Das letzte halbe Jahr noch mal zusammengefasst: Ein euphorischer Start, danach eine sehr kreative Zeit, die Möglichkeit, durch die Coaches einen Einblick in das Arbeitsleben der Berufe zu bekommen; dann eine lange Phase der Umsetzung, der Frustration, voller Gedanken aufzugeben und schließlich das Ziel. Wir haben es geschafft!

Es war kein leichter Prozess, aber eine Chance mitzuer­leben, wie ein so großes Projekt entsteht, heranwächst und schließlich gelingt. Die Möglichkeit, etwas mit beeinflusst und geprägt zu haben, war sehr spannend.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der Erziehungskunst 11/2010.

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