»We don’t need no education«. Bildungsreise im Frankfurter Waldorflehrerkurs

Von Frank Krämer, März 2012

Das Frankfurter Seminar für Waldorfpädagogik bietet einen zweijährigen berufsbegleitenden Kurs an. Frank Krämer, ein Teilnehmer, berichtet, warum es sich lohnt, Waldorflehrer zu werden.

Lehrer werden?

»Schools out for summer, schools out forever. … No more pencils, no more books, no more teacher’s dirty looks « … schreit der Pop­rocker Alice Cooper ins Mikrofon. – Trifft das auch für die Teilnehmer eines kleinen zweijährigen berufsbegleitenden Waldorflehrerkurses im Seminar für anthroposophische Pädagogik im Frankfurter Rudolf Steiner Haus zu? Werden wir auch nur »another brick in the wall«, der sich zwischen Lehrer und Schüler, Amt und Leben schiebt?

Endlich! Endlich raus aus dem »Rotstiftmilieu« – zu lesen auf einem Transparent von Abiturienten eines Gymnasiums. Weg, nur fort vom verhassten Ort des Wettbewerbs. Nie wieder Teil einer Veranstaltung zum Zwecke der ständigen Vergleiche. Weg von Klassenräumen, in denen junge Menschen auf ihre Notenwerte reduziert werden.

Das sind die Erinnerungen an die eigene Schulzeit vieler Teilnehmer dieses Kurses. Selbst nach Jahrzehnten kommen sie hoch, auch wenn es um eine ganz andere Schule, um eine Alternative zum öffentlichen Schulsystem geht. Über zwei Jahre an jedem Dienstag- und Freitagabend und zusätzlich einmal im Monat an einem Wochenende diskutierten wir 40 Teilnehmer viel mit unseren Dozenten über die deutsche Schulmisere.

Im Zentrum stand das Wohl des Heranwachsenden und seine Entwicklungsschritte. Und wir entwickelten uns mit – jeder brachte auf seine Weise viele Erfahrungsjahre in Beruf und Familie mit und hatte beruflich, familiär und organisatorisch ganz individuell einen Spagat zu leisten. Was uns einte, war unser Wille zur persönlichen Weiterentwicklung. Dabei halfen uns vor allem die musisch-künstlerischen Fächer. Wohin würden uns diese langen und doch kurzen Abende als Gruppe führen? Was würde diese Erfahrung mit jedem einzelnen von uns machen? Und wie würde unsere Umgebung auf diese Suche reagieren, wenn wir erschöpft, aber mit leuchtenden Augen und vielfach bereichert nach Hause kämen?

Es trafen Suchende in Aufbruchstimmung aufeinander – eine Melange aus Träumen, Sehnsüchten, Wünschen und Zielen im Rückblick auf das bislang persönlich Erreichte.

Uns betreute eine engagierte Dozentenschaft, die diese zusammengewürfelte Truppe auf ihrer Bildungsreise mit neuen Ideen aus anthroposophischer Sicht – ohne jegliche ideologische Mission – begleitete. Es wurde eine Befreiung von Festgefahrenem, mitunter Einschnürendem. Die Idee einer Erziehung zur Freiheit leuchtete an unseren Horizonten auf. Wir lernten einen anderen, einen alternativen Weg zur Wahrnehmung und Gestaltung einer Schulwelt kennen.

Kann die Schulrealität vor ihren eigenen, hohen Ansprüchen bestehen, fragten wir uns immer wieder.

Während mehrerer Hospitationen an verschiedenen Waldorfschulen erhielten wir Einblicke in den Alltag eines Waldorflehrers, in die pädagogischen Niederungen seiner täglichen Praxis. Sie ist anders! Sie beginnt mit der persönlichen Begrüßung eines jeden Schülers und setzt sich im rhythmischen Epochenunterricht fort. Es folgt eine vielfältige Palette auch ganz anderer Fächer, die nicht nur Intellektualität, sondern Willen und Emotionalität schulen.

Keine Frage, auch in Waldorfschulen wird nur mit Wasser gekocht – aber die Zutaten sind wohlausgesucht, behutsam gewichtet und liebevoll serviert … im Frankfurter Lehrer­seminar sind wir auf den Geschmack gekommen.

Anschrift: Seminar für anthroposophische Pädagogik Frankfurt am Main e.V., Friedlebenstr. 52, 60433 Frankfurt/M., Tel. 069-953060

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