Werk-Kunst

Von Mathias Maurer, Juli 2020

Man weiß es – Schulpraktiker, Bildungstheoretiker, Hirnforscher, ja sogar Unternehmer bestätigen es: Die »Gestaltungskräfte des Ästhetischen«, die »emotionalen Schubkräfte des künstlerischen Ausdrucks« gehören zu den elementaren Voraussetzungen von Bildung.

Ohne künstlerische Fähigkeiten kommen wir in kein sinnvolles Verhältnis zur Wirklichkeit. – Was wird denn durch sie besonders gefördert? Genauigkeit der Wahrnehmung, ein adäquater Umgang mit dem »Material«, Disziplin, Ausdauer, Kreativität, selbstverantwortliches Handeln – zentrale Schlüsselkompetenzen also, die wir für unabdingbar halten und im Leben in den unterschiedlichsten Tätigkeitsbereichen brauchen.

Kunst und Handwerk sind kein schönes Beiwerk der kognitiven Wissensvermittlung, sondern ein zentrales Bildungsmittel, das in Waldorfschulen wegen oder aufgrund seiner allgemein menschenbildenden Bedeutung von der ersten Klasse an eine zentrale Stellung einnimmt.

Und doch bekommt die intensive Beschäftigung mit Kunst und Handwerk ihr »Hobby-Geschmäckle« nicht los. Diese Fächer führen oft eine Schattenexistenz, gelten als nette Ergänzungen des Curriculums, dienen der Regeneration von den »harten« Fächern; ihnen droht immer wieder, dass sie eingekürzt oder ganz vom Stundenplan gestrichen oder von fachfremden Lehrern unterrichtet werden, weil entweder gespart oder anpasslerisch andere Prioritäten gesetzt werden. Ihr zentrales erzieherisches Anliegen – die Sinnes- und Willensschulung – droht damit, aus den Augen verloren zu gehen. Dabei stärkt die Beschäftigung mit Kunst und Handwerk die Urteils- und Phantasiekräfte der Schüler wie kaum ein anderes Fach.

Das vorliegende Heft vermittelt Eindrücke, wie an Waldorfschulen der künstlerische und handwerkliche Unterricht – von der Handarbeit über die Handwerke bis zur Kunst und Kunstbe­trachtung – in den verschiedenen Klassenstufen lebt.

Folgen