Wider den Leistungswahn. Alles klar!

Von Jörg Beermann, März 2012

Leserbrief zum Fazit von Martin Ziemann über den Oberstufenkongress in Hannover in Erziehungskunst, Heft 1/2012

»Wider den Leistungswahn« halte ich nicht für das Fazit des Oberstufenkongresses. Die Reduktion des Kongresses auf diese Parole ist zu einseitig. Wer will denn allen Ernstes Leistungswahn? Die Schülerinnen und Schüler wollen dies ganz sicher nicht. Dennoch sind sie leistungsbereit und haben eindrucksvoll die Gelegenheit genutzt, ihre Sichtweisen dem Kongresspublikum klar und verständlich mitzuteilen. Sie wissen ganz genau, dass sie nach ihrer Schulzeit kein anthroposophisch durchdrungenes Gemeinwesen vorfinden werden – keine Ausbildungsbetriebe, keine Hochschulen, keine weiterbildenden Einrichtungen, keine Verwaltungsinstitutionen auf der Basis der anthroposophischen Menschenkunde. Aber sie wollen und müssen auch ohne sie bestehen. Und sie schätzen sehr wohl die wertvollen Elemente der Pädagogik, die unsere Bildungseinrichtungen ihnen mitgeben.

Für die Abschlüsse aber habe ich vom Kongress ihre Wünsche mitgenommen, Hürden, Hemmnisse oder Benachteiligungen zu beseitigen, alle Spielräume zu nutzen, Planungssicherheit zu schaffen sowie das Angebot an Prüfungsfächern zu erweitern (prima Idee hierzu: Schulkooperationen). Und diese Wünsche stehen überhaupt nicht in Widerspruch zum Ideal der Klassengemeinschaft, da jede einzelne Individualität nach wie vor respektiert wird (und gleichzeitig immer die Grundlage jeglicher pädagogischen Förderung ist, in jedem einzelnen Fall!). Wenn wir also aktiv, transparent und im guten Einvernehmen mit den zuständigen staatlichen Stellen kreative und undogmatische Lösungen erarbeiten und um­setzen, dann müssen wir auch keine »schleichenden Gefahren« mehr beklagen, denn dann agieren wir wieder, und zwar zeitgemäß.

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