Wie einst in der DDR

Von Jens-Olaf Bodemann, Dezember 2015

Ich wollte herzlich danken für das Gespräch mit Daniele Ganser!

Dessen Gedanken sind mir zwar nicht neu, weil ich im Netz schon einige seiner Vorträge gehört oder gesehen und auch sein Buch »Europa im Erdölrausch« gelesen habe, aber ich finde es richtig, ja wichtig, dass ein breiterer Kreis von Menschen auf ihn aufmerksam wird. Viele Ihrer Leser werden allerdings erstaunt und irritiert sein, weil das, was sie da lesen, so gar nicht dem Mainstream entspricht, und ich würde mich wundern, wenn Sie nicht auch empörte Zuschriften bekommen. Ganser wird ja viel über »Kenfm« veröffentlicht und Ken Jebsen gilt als »Oberketzer«. Ich möchte auch zu Ihrem Mut gratulieren. Ja, so weit ist es schon wieder in diesem Land: Man braucht tatsächlich Mut, zu seiner Meinung zu stehen bzw. mit Leuten Interviews zu führen, die auf der schwarzen Liste stehen. Ich selbst habe gut die Hälfte meines Lebens in der DDR verbracht und traute mich nicht, frei zu denken, das heißt, ich konnte es gar nicht. Ich war übrigens nicht etwa ein »Regimegegner«, sondern Kommunist. Ich hörte von klein auf, was mir meine Eltern, Lehrer und die Medien erklärten und hielt es mehr oder weniger für richtig. Erst in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre fing ich an, selbstständig zu denken ... Insofern kann ich gut verstehen, wenn heute viele Leute genau so denken, wie es ihnen die Einheitsmedien vorgeben. Diese Meinungsmaschinerie funktioniert ja auch gar zu gut – davon hätten sich die DDR-Führer noch eine Scheibe abschneiden können.

Zum Autor: Jens-Olaf Bodemann ist Klassenlehrer und Fachlehrer für Russisch, und Freien Religionsunterricht an der FWS Jena.

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