Zu »Wir sind Trevrizent!«

Von Maria Katharina Böhm, April 2021

Zuschrift zum genannten Artikel in Erziehungskunst März 2021.

Mir ist dieser Artikel sofort ins Auge gefallen und ich habe ihn gleich gelesen, bevor ich weiter im Heft blätterte.

In meinen Gedanken lebt der Begriff »Parzival, der reine Tor«. Davon konnte ich nichts im Text finden, auch nicht vom Weg der Gralssuche.

Woher nimmt der Autor die Behauptung, Parzival habe Jeschute vergewaltigt? Ich habe diese Stelle niemals so gelesen und auch nirgends so interpretiert gefunden. Vielmehr wollte er Ring und Kuss. Das war Entehrung genug. Orilus aber glaubte Jeschute nicht, und so hatte sie eine schwere Zeit, bis Parzival – nun als geachteter Ritter – mit Orilus kämpfte und ihn besiegte.

Wie kann man sich die Behandlung eines solchen Werkes im Unterricht vorstellen, wenn dadurch ein Schüler sich getrieben fühlt, Parzival »aufgrund von Bewusstseinsstörung und Schwachsinn« Schuldunfähigkeit bescheinigen zu müssen?

Eine besondere Rolle spielt die Mitleidsfrage: Oheim, was wirret dir?

Durch diese Frage tritt nicht nur eine physische, sondern auch eine seelische Heilung ein. Das ganze Wesen des Anfortas blüht auf. Und Parzival kann diese Frage mit tiefstem Mitleid jetzt erst stellen, weil er sein eigenes Schicksal geordnet, entwirrt hat, versöhnt ist mit Gott und der Welt.

Was ich in diesem Text besonders vermisse, ist das Verständnis für den GRAL. Kein einziges Wort! Er ist es doch, worauf sich Parzivals ganzes Streben richtet. Zu Trevrizent spricht er: Meine höchste Not ist um den Gral, danach um meine Frau… Nach beiden sehnt sich mein Verlangen.«

Ein Verständnis für dieses Werk will sich mir in diesen vier Seiten nicht erschließen. Eher scheint der Zugang vermauert zu werden.

> Wir sind Trevrizent.

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