Kolumne

Die Schule nach der Schule

Von  Henning Köhler, Januar 2014

Der Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer, dessen Produktion Alphabet – unbedingt anschauen! – zur Zeit Furore macht, sagt im österreichischen Magazin profil-wissen (3/13): »Nicht einmal mehr Musterschüler ertragen unser Schulsystem. Noch dramatischer aber ist, was mit Kindern passiert, die sich von vornherein nicht anpassen wollen. Ich habe einen Teil des Films nachträglich weggelassen, da er zu weit geführt hätte. Er handelt von sogenannten ADHS-Kindern. Das sind keine psychisch kranken Kinder mit Aufmerksamkeitsdefiziten, das sind hochintelligente Kinder, die zu Recht rebellieren.« Man wüsste gern, inwiefern die herausgeschnittene Passage »zu weit geführt hätte«. Das Interview lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: »Ich würde diese Kinder als... [mehr]

Kolumne

Tag des Asyls – ein Aufruf

Von  Henning Köhler, Dezember 2013

In den letzten zehn Jahren starben etwa 7.000 Flüchtlinge aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten beim Versuch, die Außengrenzen der EU zu überwinden, um Verfolgung, bewaffneten Konflikten oder bitterer Armut zu entgehen. Als Beat Leuthard 1994 sein Buch »Festung Europa« veröffentlichte, wurde er in der Luft zerrissen. Keine Rede könne davon sein, dass sich die EU ohne Rücksicht auf Verluste gegen hilfesuchende Menschen abschotte. 1999 folgte Leuthards Buch »Berichte von den Grenzen«. Er legte Beweismaterial vor. Für viele war das neu und verstörend. Inzwischen hat man sich daran gewöhnt. »Die Festung Europa wird nicht mehr geleugnet, sie wird verteidigt« (Heribert Prantl). Schon 2007 beklagte der damalige Bundespräsident Horst Köhler: »Man verweist... [mehr]

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Demokratische Spiele

Von  Henning Köhler, November 2013

Wir dürfen von Zeit zu Zeit unsere Stimme »abgeben« (verräterische Wendung), um die Zusammensetzung eines Parlaments zu beeinflussen. Damit hat der viel beschworene mündige Staatsbürger in demokratietechnischer Hinsicht seine Schuldigkeit getan. Natürlich können es sich die »Volksvertreter« nicht leisten, in der Wählergunst abzustürzen – Karrieren und Pfründe stehen auf dem Spiel –, also müssen sie vier Jahre lang so tun, als ob Wahlversprechen wichtiger sind als der Machterhalt. Eine beliebte Floskel ist die von den »schmerzhaften Entscheidungen zu unser aller Wohl«. Wenn »Schmerz« und »Allgemeinwohl« in einem Atemzug genannt werden, kann man fast sicher davon ausgehen, dass Machenschaften im Auftrag und zum Vorteil mächtiger Lobby-Gruppen gemeint... [mehr]

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Inklusives Kindergeld

Von  Henning Köhler, Oktober 2013

Vor sieben Jahren trat die UN-Konvention zum Schutz behinderter Menschen (UNCRC) formell in Kraft und ließ manches Pädagogenherz höher schlagen. (Anderen rutschte dasselbe in die Hosentasche.) Was ist daraus geworden? [mehr]

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Orte des Ankommens

Von  Henning Köhler, September 2013

Marc Augé vergleicht die Lage des Menschen in der »Hypermoderne« mit der eines »Passanten«, dem es nicht gelingt, irgendwo anzukommen. Passantentum als modus vivendi ist die vergebliche Suche nach wirklichen Orten: »Orten zum Verweilen«, Orten des Innehaltens. Der Passant findet nur Funktionsorte, wo er dies oder jenes erledigt, konsumiert, sich aneignet, benutzt, abliefert, um dann weiterzuziehen. Im subjektiven Erleben sind das virtuelle Orte, »Nicht-Orte«, »Orte des Ortlosen«. Man verlässt sie, ohne wirklich dort gewesen zu sein. Insofern ist unser habituelles Passantentum ein Wirklichkeitsverlust. Nichts erscheint real, wenn man nirgends ankommt. Vor dem Bildschirm, durch TV-Programme zappend oder online, steigert sich das »Transit«-Syndrom –... [mehr]

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Kinder erziehen? Eine Unverschämtheit.

Von  Henning Köhler, Juli 2013

»Ist Erziehung sinnlos?« heißt ein Buch von Judith Rich Harris (2000). Die Autorin will den Erziehungsgedanken als Mythos entlarven. Ihr Fazit: Wir überschätzen unsere erzieherischen Einflussmöglichkeiten maßlos, prädominant sind genetische Faktoren und Gruppendynamiken unter Gleichaltrigen. Leider hat Harris nicht den Schimmer eines Begriffs von geistiger Individualität. Sonst wäre ihr vielleicht ein großer Wurf gelungen. Stellen wir die Frage anders: Ist Erziehung ein verfehltes Paradigma, das letztlich nur Schaden anrichtet? Manche entdecken latente Verachtung darin, nämlich »die Anschauung, der Zustand, in dem (das Kind) lebt, sei schlecht, mangelhaft« (aus: Anke Caspar-Jürgens, Lernen ist Leben, 2013).  Schon... [mehr]

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Occupy Bohlen

Von  Henning Köhler, Juni 2013

Es ist still geworden um die deutsche Occupy-Bewegung. Zum Teil liegt das an der mangelnden medialen Aufmerksamkeit. Ein Häufchen junger Idealisten, denen nichts Geringeres vorschwebt, als die Welt zu verändern, darf kein anhaltendes, gesteigertes öffentliches Interesse erwarten. [mehr]

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Helden braucht es heute

Von  Henning Köhler, Mai 2013

Auf dem Jugendbuchmarkt boomen düstere Zukunfts­romane. Teils spielen die Geschichten in Zeiten nach einer großen Katastrophe, teils malen sie mehr oder weniger glaubhaft aus, was uns blühen könnte, wenn der Hightechkapitalismus alle moralischen Schranken durchbricht; oder wenn aus vorgeschobenen Sicherheitsgründen die Bürgerrechte beseitigt werden. Erzählt wird von Gesellschaften, in denen die Instrumentalisierung des Individuums perfektioniert ist; von neuen Kolonial- und Kasten-Systemen; von Faschismus-Varianten, deren Perfidie darin besteht, dass sie eine wohltemperierte Normalität vorgaukeln; von materiell privilegierten Minderheiten, die, völlig entrechtet, in abgeschotteten, aseptischen Höllen leben und sich einreden lassen, es seien... [mehr]

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Menschen lässt man nicht sitzen

Von  Henning Köhler, April 2013

Mehrere deutsche Bundesländer, vorneweg Niedersachsen, ziehen in Erwägung, eine heilige Kuh des antiquierten Schulwesens abzuschaffen: das ›Sitzenbleiben‹. Johann Osel verfasste dazu in der Süddeutschen Zeitung einen ›ausgewogenen‹ Kommentar, worunter man im Mainstream­journalismus die Kunst versteht, mehr oder weniger weitschweifig ›Jein‹ zu sagen. [mehr]

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Kinder sind Ereigniszeit-Wesen

Von  Henning Köhler, März 2013

1952. Ein Mann irrt durch Afghanistans Hauptstadt Kabul und fragt überall nach seinem Bruder. Niemand kann ihm helfen. Er reist unverrichteter Dinge wieder ab, kommt im nächsten Jahr zurück, sucht auch diesmal ohne Erfolg. Das wiederholt sich mehrmals. Ein US-Diplomat hört davon, will dem Mann Hilfe anbieten. Dieser erklärt, er habe sich mit seinem Bruder in Kabul verabredet, ohne das Jahr festzulegen. Der Vorfall – überliefert von dem Kulturforscher Edward T. Hall – lässt ahnen, dass am Hindukusch in den letzten 50 Jahren buchstäblich zwei Welten aufeinander prallten. Zwei junge Deutsche fahren durch eine ländliche Gegend in Indien. Das Auto streikt. Sie gehen zu Fuß weiter, rufen vom nächsten Dorf aus eine... [mehr]

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