Standpunkt

Totsicher

Von  Henning Kullak-Ublick, Oktober 2012

Seit einiger Zeit breitet sich in unserer Waldorfschulbewegung, die sich die »Erziehung zur Freiheit« auf die Fahnen geschrieben hat, eine gewisse Sehnsucht aus, diese unsichere Gefährtin Freiheit, die immer neu erobert werden will, die Krisen nicht scheut und plötzlich auftaucht, wo man sie am wenigsten vermutet hätte, die streitet, sich verträgt, liebt und strauchelt, kurz, die weht, wo sie will, in ein geschütztes Gehege zu locken.  [mehr]

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Verlust und Vertrauen

Von  Henning Kullak-Ublick, September 2012

Zu den großen Rätseln unserer Zeit gehört zweifellos, wie die Menschheit Jahrzehntausende lang ohne gedruckte oder in Kursen dargebotene Ratgeber überlebt hat. [mehr]

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»Giftzettel-Alarm …«

Von  Henning Kullak-Ublick, Juli 2012

… titelte die Stadt Hameln auf ihrer Webseite, um die Schülerinnen und Schüler der Stadt auf eine Notrufnummer hinzuweisen, bei der sie sich seelischen Beistand für die bevorstehenden Halb­jahreszeugnisse holen konnten. Trotz des Augenzwinkerns, mit der diese Formulierung den Griff zum Telefon erleichtern soll, erzählt sie uns einiges über unser Verständnis von Schule und Lernen im Jahr 2012. Und im Sommer wird es erst richtig ernst, denn jetzt geht es um Versetzungen, Berechtigungen, Zukunftschancen. Ein Notensystem bewertet niemals die Leistungen des Einzelnen. Es kann gar nichts anderes, als einen statistischen Vergleich mit anderen Schülern herzustellen. Dafür müssen messbare Eckwerte herangezogen werden. Allerdings: Ohne Sieger und Verlierer... [mehr]

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Heras Prämie

Von  Henning Kullak-Ublick, Juni 2012

Hera war die First Lady unter den griechischen Göttern. Und obwohl eheliche Treue nicht gerade zu den Tugenden ihres Göttergatten Zeus gehörte, wurde sie als die Hüterin der Ehe und der Niederkunft verehrt. Das Familienleben stand in der Antike unter dem Schutz der höchsten Göttin. Während ich diese Zeilen schreibe, tobt ein Streit um das Kinderbetreuungsgeld, das monatlich 100 (später 150) Euro für Eltern vorsieht, die ihre Kinder zu Hause statt in einer KiTa betreuen wollen – allerdings nur, wenn sie keine Hartz-IV-Empfänger sind. Kritiker befürchten, dass manche Eltern dieses Geld verprassen würden, ohne sich um ihre Kinder zu kümmern. Auch werde das Geld gebraucht, um überhaupt erst einmal ein flächendeckendes Angebot an KiTas zu schaffen. Schon... [mehr]

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Wem gehört eine Waldorfschule?

Von  Henning Kullak-Ublick, Mai 2012

Wir leben in Deutschland schon so lange in der Tradition, dass Schule eine öffentliche Aufgabe ist, dass wir vergessen, dass wir diese Öffentlichkeit selber sind: Seit sich im 18. Jahrhundert der Absolutismus in weiten Teilen Europas verbreitete, betrachtete der Staat das öffentliche Leben als sein Eigentum und damit auch den Anspruch, das Schulwesen zu verwalten. Im vergangenen Jahrhundert spitzte sich diese Staatsidee bis in die absurdesten Extreme zu. Weltweit entstanden Diktaturen, deren ideologisches Spektrum von dem rassistischen Wahnsinn der Nazis über Stalin, Mao Tse Tung und Pol Pot bis zu dem Personenkult in Nordkorea reichte. Bei aller Unterschiedlichkeit hatten sie eins gemeinsam: Immer ging es darum, Menschen zu funktionierenden Teilen... [mehr]

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Schöne neue Ritalin-Welt

Von  Henning Kullak-Ublick, April 2012

Vor 80 Jahren veröffentlichte Aldous Huxley seine »Schöne neue Welt«. Der Roman handelt von einer Gesellschaft, die sich die Ideale Frieden, Stabilität und Freiheit auf die Fahnen geschrieben hat. Zur Erreichung dieser Ziele werden bereits Embryonen physisch manipuliert und die Kinder später durch raffinierte Bewusstseinsmanipulation zu Angehörigen unterschiedlicher Kasten erzogen, die von der exklusiven Führungsgruppe Alpha-Plus bis zu den Epsilon-Minus-Menschen für die niedersten Arbeiten reichen. In dieser utopischen Gesellschaft kommt niemand auf die Idee, sich gegen sein eigenes Funktionieren aufzulehnen. Dafür sorgt eine unablässige Aneinanderreihung von Konsum, Sex und der Droge Soma, die jede Frage, jeden Zweifel, jedes abweichende Gefühl... [mehr]

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Erziehungskunst – die Entscheidung

Von  Henning Kullak-Ublick, März 2012

Liebe Leserinnen und Leser, in diesem März entscheidet die Mitgliederversammlung des Bundes der Freien Waldorfschulen (BdFWS) darüber, ob wir diese Zeitschrift in ihrer jetzt bestehenden Form weiterführen wollen oder nicht. Vor drei Jahren begannen wir mit einem Experiment, das wir, also Redaktion und Herausgeber, als Projekt verstehen, das sich kontinuierlich weiter entwickelt. [mehr]

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Macht, was ihr wollt

Von  Henning Kullak-Ublick, Februar 2012

Warum gibt es eigentlich die Waldorfschule? Also nicht speziell Ihre Schule, sondern ganz allgemein die Waldorfschule? Warum erlebt diese Schulform 93 Jahre nach ihrer Erfindung einen weltweiten Gründungsboom, der angesichts der manchmal extrem schwierigen Bedingungen, unter denen Waldorfschulen in vielen Ländern der Erde arbeiten müssen, kaum zu verstehen ist? Die Antwort ist vielschichtig. Ich beschränke mich auf einen Kernsatz ihrer Pädagogik: Erziehung ist immer Selbsterziehung. Dieser unscheinbare Satz stellt eine radikale Kampfansage an alle Versuche dar, den Menschen auf ein Ziel hin zu erziehen, das nicht in seinem eigenen Wesen, sondern in wirtschaftlichen, politischen, religiösen oder anderen weltanschaulichen Zwecken begründet ist. Die... [mehr]

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Auf die Dörfer, fertig, los …

Von  Henning Kullak-Ublick, Januar 2012

»Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen«, lautet ein afrikanisches Sprichwort. Was aber ist, wenn es gar keine richtigen Dörfer – mit Bauer, Bäcker, Schmied, Schuster, Tischler, Zimmermann, Pfarrer und Dorfpolizisten – mehr gibt, für die allermeisten Kinder jedenfalls? Wer erzieht sie dann? »Es braucht eine ganze Stadt, um ein Kind zu erziehen«, hinterlässt eine Gänsehaut, signalisiert Anonymität statt Geborgenheit. Und trotzdem stimmt auch dieser Satz, denn weltweit wächst die Mehrzahl aller Kinder in Städten auf. Wir brauchen also Dörfer in den Städten, viele Dörfer für viele Kinder! Aber es gibt Unterschiede, die bleiben: In einem Dorf leben die Generationen nach alten und respektierten Traditionen zusammen, ihre Bewohner gehen mit... [mehr]

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Occupy Brandenburg

Von  Henning Kullak-Ublick, Dezember 2011

Am Samstag, dem 18. Dezember 2010 begann der »Arabische Frühling«, nachdem sich einen Tag zuvor der Tunesier Mohamed Bouazizi selbst angezündet hatte, um gegen die Polizei- und Behördenwillkür seines, bei uns hauptsächlich als billiges Urlaubsziel bekannten Landes zu protestieren. Seine Tat brachte Tunesien in Aufruhr.  [mehr]

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