Angriff auf die Komplementärmedizin

September 2017

Mitte August hat eine »Experten«gruppe (»Münsteraner Kreis«) in einem Memorandum radikale Vorschläge vorgelegt, um das Heilpraktikerwesen zu »reformieren«. Demnach sollte der Beruf entweder abgeschafft oder durch die Einführung spezialisierter »Fach- Heilpraktiker« als Zusatzqualifikation für bestehende Gesundheitsfachberufe abgelöst werden.

Der Appell der Experten richtet sich gegen die ihrer Einschätzung nach »unangemessene Ausbildung und die meist unhaltbaren Krankheitskonzepte« der Heilpraktiker.

In dem Memorandum bezeichnen die Experten die akademische Medizin und das Heilpraktikerwesen als »Parallelwelten«. Auch die Komplementärmedizin wird in die Kritik einbezogen, sie wird als in den »meisten Fällen wissenschaftlich unhaltbar« und sogar als »Gefährdung von Patienten« dargestellt. Dementsprechend fällt die Forderung der »Experten« aus: »So sollten aus unserer Sicht Verfahren der Alternativmedizin überhaupt keinen Platz in der wissenschaftsorientierten Versorgung haben, da dies als wissenschaftliche ›Adelung‹ des gerade Nicht-Wissenschaftlichen erscheinen muss, und zwar selbst dann, wenn diese Verfahren lediglich ergänzend eingesetzt werden.«

Interessant ist, dass die Vorschläge sowohl von der Ärzte-Zeitung als auch im Deutschen Ärzteblatt lebhaft diskutiert und keineswegs unkritisch aufgenommen wurden. In den Kommentaren mahnten viele Ärzte ein moderateres Vorgehen an: »Schwarze Schafe gibt es überall, deswegen einen ganzen Berufszweig abzuschaffen, ist nicht der richtige Weg.« Viele Ärzte berichteten auch von der immer wieder guten Zusammenarbeit mit Heilpraktikern in der täglichen Versorgung der Patienten. Viele wünschen sich eine Intensivierung dieser Zusammenarbeit.

Die Geschäftsführerin des Dachverbandes anthroposophische Medizin in Deutschland, Barbara Wais, kommentiert das »Memorandum«: »Dass das Heilpraktikergesetz reformiert werden muss, ist nichts Neues und völlig richtig. Dafür braucht es einheitliche Ausbildungsstandards und verbindliche Regeln für die Qualitätssicherung. Trotzdem hat man den Eindruck, dass es den Experten überhaupt nicht um eine Verbesserung dieser Aspekte geht, sondern um eine Eliminierung von alternativen oder komplementären Ansätzen, die ihrer Meinung nach in der Medizin nichts zu suchen haben.

Die Verfasser des Memorandums sind denn auch die üblichen Verdächtigen, die man bereits aus der Homöopathie-Debatte gut kennt. Es ist klar, dass der Kreis die sachlich berechtigte Frage, wie der Beruf des Heilpraktikers reformiert werden kann, strategisch nutzt, um die Perspektive einer einseitig verstandenen Evidenzbasierten Medizin weiter voranzubringen. Die Vorschläge dienen klar dazu, neben den Heilpraktikern auch die Komplementärmedizin als Ganzes anzugreifen.«

Quelle: DaMiD

Alle Nachrichten in dieser Kategorie

Medienfasten

»Medienfasten« ist ein Projekt der Universität Witten/Herdecke, der Initiative Lebensweise und des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (DE). [mehr]

»Sie sind gefragt«

Aufruf zur Waldorf-Ehemaligen-Befragung. [mehr]

Mensch werden im digitalen Zeitalter. Netzwerktreffen in Dornach

Um sich über die dringendsten Arbeits- und Forschungsaufgaben für die Waldorfschul- und Kindergartenbewegung auszutauschen, haben sich etwa 20... [mehr]

Streaming-Portal »Lernwerkstatt Klassenzimmer«

Mit einem deutsch- und englischsprachigen Streaming-Portal stellt die Pädagogische Forschungsstelle auf ihrer Homepage ab sofort bisher... [mehr]

Hungriges Feuer. Notfallpädagogischer Einsatz in Südafrika

Vergangenen Freitag haben Flächenbrände weite Teile des Geländes der Camphill Farm Community und Camphill School Hermanus in Südafrika zerstört. Farm... [mehr]

»Searching for superman«

Zwei Jahre lang reisen die jungen spanischen Filmemacher David Fernández und Amaia Maguregui mit dem Bus durch Europa, auf der Suche nach... [mehr]

EOS übernimmt Schloss Hohenfels

Der erlebnispädagogische Veranstalter EOS hat die ehemalige Deutschritterburg Schloss Hohenfels und Dependance der Internats Schule Schloss Salem am... [mehr]

Internationaler Pädagogenaustausch an der Rudolf Steiner Schule Berlin-Dahlem

Die Rudolf Steiner Schule Berlin-Dahlem organisiert anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Waldorfpädagogik 2019 einen internationalen... [mehr]

Hansjörg Hofrichter gestorben

Hansjörg Hofrichter ist am 1.12. 2018 um 19.30 Uhr nach schwerer Krankheit im Kreis seiner Familie im Krankenhaus Erlangen im Alter von 76 Jahren... [mehr]

Deutschland: Fast eine Million Schüler an Privatschulen

Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, verzeichnen die Schulen in freier Trägerschaft für das Schuljahr 2017/2018 erneut Zuwachsraten.  [mehr]

Treffer 41 bis 50 von 1246

< Vorherige

1

2

3

4

5

6

7

Nächste >

Folgen