Augsburger Waldorfschüler machen sich für afghanischen Kameraden stark

Von Lucas Hein, Johannes Schmid, Juni 2017

Im Oktober 2016 kam Ali Reza auf die Freie Waldorfschule Augsburg. Er war von Anfang an wissbegierig und hat sich gut in unsere Klasse integriert. So ist er in kürzester Zeit zu einem sehr beliebten Mitschüler und Freund geworden.

Nachdem Ali vor kurzem 18 geworden ist, bekam er Anfang Mai Post vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Nun, da er volljährig sei, solle er nach Afghanistan abgeschoben werden.

Diese Nachricht hat ihn vollkommen aus der Bahn geworfen. Nachts kann er nicht mehr schlafen, weil er sich berechtigte Sorgen um seine Zukunft macht. 

Aber die Situation macht nicht nur ihn betroffen, sondern uns alle. Ali ist bei uns angekommen. Ein wichtiger Teil unserer Klasse würde herausgerissen werden, wenn er gehen muss. Deshalb haben wir uns sehr schnell dazu entschieden, zu handeln und gemeinsam eine Petition aufgesetzt, mit der wir Alis Abschiebung verhindern wollen.

Dort haben uns mittlerweile über 43.000 Menschen (Stand: 02.06.17) mit ihrer Unterschrift unterstützt!

Afghanistan ist kein sicheres Herkunftsland

In dem Land herrscht immer noch Krieg, auch wenn dieser nicht mehr so offen ausgetragen wird, wie noch vor einigen Jahren. Die dort lebenden Menschen tragen den Krieg nun unter sich aus – verraten einander an die Taliban und nehmen Tötungen in Kauf um selbst zu überleben.

Es ist schlichtweg unmenschlich, jemanden in dieses Land zu schicken, schließlich hat das Auswärtige Amt hat nicht ohne Grund eine Reisewarnung für Afghanistan herausgegeben. 

Wenn Ali in dieses Land abgeschoben wird, in dem er niemanden kennt – seine Familie floh schon vor Jahren nach Iran um dem Krieg in der Heimat zu entfliehen -  ist er den Taliban und dem IS schutzlos ausgeliefert. Sollte er in ihre Hände fallen, drohen ihm Misshandlung und Folter und schlimmstenfalls sogar der Tod.

Auch in den Iran darf und kann er nicht zurück: nach Deutschland ist er nur geflüchtet um der Rekrutierung in die Armee des Syrien-Diktators Assad zu entgehen.

... wenn man Ali die Möglichkeit gäbe

Ali könnte und würde sich eine eigene Existenz hier in Deutschland aufbauen: Er möchte bei uns den Realschulabschluss absolvieren und sein Wunsch ist es, dann eine Ausbildung zum Erzieher machen.

Ali kann unglaublich gut mit Kindern umgehen. Das zeigte sich in einem Praktikum, welches er in unserem Waldorfkindergarten machte. Jeder der sieht, welche Wirkung er auf Kinder hat und wie offen Kinder auf ihn zu gehen, erkennt sofort, dass er für diesen Beruf wie geschaffen ist.

Da die Ausbildung zum Erzieher allerdings nicht als Ausbildungsberuf für Flüchtlinge anerkannt ist, musste er sich anderweitig umsehen: ein zweites Praktikum absolvierte er in einem Büro für Finanzbuchhaltung. Die Geschäftsführung und die Mitarbeiter waren so angetan von ihm, dass sie ihm direkt einen Ausbildungsplatz anboten. Dann kam die erneute Ernüchterung: Auch dieser Ausbildungsberuf ist nicht anerkannt.

Inzwischen hat er gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz bei einem Bäcker, denn diese Ausbildung wird anerkannt.

Wenn er einen Ausbildungsplatz hätte, erhöhen sich die Chancen auf ein Bleiberecht, da man sich dann auf die 3+2 Regelung berufen könnte.

Wahlkampf auf den Schultern von Schutzsuchenden

Liebe Frau Merkel, lieber Herr De Maizière, wir möchten ihnen nahelegen, ihre Flüchtlingspolitik zu überdenken und sich der Menschenrechtskonventionen zu erinnern!

Es ist nicht richtig, dass sie ihren Wahlkampf auf den Schultern von schutzsuchenden Menschen austragen. Geradezu offensichtlich ist, dass die Bundesregierung versucht, der AfD durch härtere Abschiebegesetze den Wind aus den Segeln zu nehmen. 

Dafür nehmen Sie in Kauf, dass Flüchtlinge, die abgeschoben werden sollen, wie wilde Tiere zusammengetrieben werden, wie man es zuletzt an der Berufsschule in Nürnberg gesehen hat. Diese Art und Weise der Abschiebung grenzt an eine Deportation. Dabei ist Deutschland das letzte Land, das in so einer Notlage wegsehen darf. 

Erste wichtige und richtige Schritte in diese Richtung wurden ja – NACH dem Anschlag in Kabul – umgesetzt. Die Abschiebungen nach Afghanistan sind bis Ende Juni bis auf weiteres ausgesetzt!

Eine sichere Zukunft für Ali

Ali Reza hat seinerseits Klage gegen den Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge eingereicht. Inzwischen ist auch ein Spendenkonto eingerichtet, um die Gerichts- und Anwaltskosten zu tragen. (IBAN: DE28 7209 0000 0101 4758 27)

Wir bitten Sie daher um Ihre Hilfe die Abschiebung unseres Mitschülers Ali zu verhindern und ihn auf dem Weg zu einem dauerhaften Aufenthaltstitel zu unterstützen. Wir wünschen uns für Ali Reza eine sichere Zukunft in unserem Land!

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