Waldorflehrer-Studiengang an der Universität Peking eröffnet

Von NNA, April 2014

An der Universität Peking wurde ein Institut für Waldorfpädagogik eingerichtet. Dies gab im März 2014 die Universität für moderne Verwaltung, eine der ersten freien Universitäten im nachrevolutionären China zusammen mit dem Chenzhigu (Spring Valley) Zentrum für Waldorfpädagogik bekannt.

Yü Ningyuan bei der Eröffnung. Foto: Martin Barkhoff

Bei der Eröffnung hielt Yang Dongping vom Pekinger Institut für Technologie, der Leiter der staatlichen Organisation »Erziehung im 21. Jahrhundert«, der an der Gesetzgebung für das chinesische Schulsystem beteiligt ist, die einführende Rede. Yang ist der einflussreichste Befürworter eines unabhängigen Bildungssystems in China und Mitautor des Jahrbuchs über die Entwicklung des Erziehungswesens. Bekannt wurde er im Westen durch seinen Auftritt im Film »Alphabet«.

Der Leiter des Studiengangs, Yü Ningjan, wies darauf hin, dass Steiner die Waldorfschule ursprünglich für Kinder von Fabrikarbeitern gegründet habe und durch ihre Zuwendung zur Erde eine neue Kultur der Liebe ins Leben gerufen habe.

Markus Bleinroth, der Vertreter der deutschen Botschaft betonte die Bedeutung der Waldorfpädagogik für die Entwicklung Chinas zu einer wissensbasierten Gesellschaft und erinnerte daran, dass die Kinder zweier Bundeskanzler (Helmut Kohl, Gerhard Schröder) Waldorfschulen besucht hätten.

Der Unternehmer Li Jian aus Guangzhou (Lithium Force, Elektroautos) unterstrich die Bedeutung des Studiengangs für die chinesische Wirtschaft und zog Vergleiche zwischen der Waldorfpädagogik und erfolgreichen japanischen Management-Methoden. Insbesondere wies er auf die Bedeutung der Sinneserfahrungen hin.

Martin Barkhoff, Dozent im Spring Valley Zentrum, brachte die Waldorfpädagogik in Zusammenhang mit anderen globalen Bewegungen, die auf Rudolf Steiner zurückgehen, und hob vor allem deren Individualismus hervor. Als Beispiele nannte er Ibrahim Abouleish, den Begründer von SEKEM in Ägypten und Tho Ha Vinh vom Zentrum für das Brutto-Glücks-Produkt in Bhutan.

Die Universität für moderne Verwaltung liegt in einem Außenbezirk im Südwesten Pekings. Gegenwärtig besuchen sie 4000 Studenten, deren Zahl auf 7000 erhöht werden soll. Die Hauptstudiengänge an den 24 Instituten sind derzeit Ökonomie und Verwaltung. Zum Angebot gehören auch Studiengänge in Kunst, angewandten Wissenschaften, Erziehung und Krankenpflege.

Gegenwärtig wird der Studiengang Waldorfpädagogik ausschließlich im Spring Valley Zentrum in der Nähe der Phoenixberge im Nordwesten Pekings durchgeführt. Auf dem Campus der Universität soll der Grundkurs im Herbst 2016 beginnen.

Das Spring Valley Zentrum ist eine der gegenwärtig zwölf Ausbildungsinitiativen für Waldorfpädagogik, die mit dem chinesischen Waldorfforum (CWF) zusammenarbeiten. Die ersten akademischen Kurse für Waldorfpädagogik gab es im Jahr 2000 an der Universität Sichuan in Chengdu, der Stadt, in der auch die erste Waldorfschule Chinas eröffnet wurde.

Quelle: NNA

Siehe auch: »Waldorfschulen gegen Parteipropaganda und Nationalismus«

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