Bertelsmann-Studie: Bis 2025 fehlen 35.000 Grundschullehrer

Februar 2018

Grundschulen stehen unter Druck. Nationale und internationale Vergleiche haben jüngst gezeigt: Das Leistungsniveau stagniert und Kinder aus benachteiligten Familien verlieren den Anschluss. Gleichzeitig steigen die Schülerzahlen, werden die Klassen heterogener und viele erfahrene Lehrkräfte gehen in den Ruhestand. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass bereits bis 2025 ca. 35.000 Lehrkräfte in Grundschulen fehlen. Nur mit kurzfristigen, qualitätsbewussten Maßnahmen kann ein Lehrermangel abgewendet werden.

An den Grundschulen wird sich in den kommenden Jahren die bereits heute spürbare Personalnot weiter zuspitzen. An den Universitäten werden gerade genug Lehrkräfte ausgebildet, um jene zu ersetzen, die alters- oder gesundheitsbedingt aus dem Schuldienst ausscheiden. Der aktuell starke Anstieg der Schülerzahlen erfordert aber zusätzliches Personal, vor allem im Zeitraum von 2021 bis 2025. Auch beim Ausbau der Ganztagsschulen und der Weiterentwicklung der individuellen Förderung werden zusätzliche Lehrkräfte gebraucht. Aufgrund der langen Dauer der Lehrerausbildung reicht eine Aufstockung der Ausbildungskapazitäten nicht. Zusätzlich müssen kurzfristigere und flexible Lösungen gegen den Lehrermangel umgesetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn für die Bertelsmann Stiftung.

Insgesamt müssen bis einschließlich 2025 knapp 105.000 Grundschullehrer neu eingestellt werden. Davon entfallen etwa 60.000 auf den Ersatz ausscheidender Lehrkräfte. 26.000 Lehrer werden außerdem benötigt, um die Unterrichtsversorgung bei steigenden Schülerzahlen zu gewährleisten. Für den Ausbau von Ganztagsschulen werden weitere 19.000 Lehrer benötigt. Allerdings stehen im gleichen Zeitraum nur 70.000 regulär ausgebildete Absolventen für das Lehramt an Grundschulen zur Verfügung. Damit fehlen den Grundschulen mindestens 35.000 regulär ausgebildete Lehrkräfte: Erst ab 2026 zeichnet sich Entspannung ab.

Anreize für Mehrarbeit und verlängerten Einsatz von Pensionären schaffen

Während der Anstieg der Schülerzahlen an den weiterführenden Schulen erst gegen Mitte des nächsten Jahrzehnts ankommen wird, spüren die Grundschulen schon heute den Schülerboom. Mit Blick auf den kurzfristigen Bedarf sollten die Länder deshalb vor allem Anreize dafür setzen, dass erfahrene Lehrkräfte mehr unterrichten – insbesondere Teilzeitkräfte und angehende Pensionäre.

Fast vierzig Prozent aller Grundschullehrkräfte – überwiegend sind es Frauen – arbeiten in Teilzeit. Voraussetzung für eine Deputatsaufstockung von Teilzeitkräften sind u. a. verlässliche Betreuungsmöglichkeiten der Kinder von Lehrkräften. Zudem sollten sie von nicht unterrichtsbezogenen Aufgaben durch andere pädagogische Mitarbeiter in den Schulen entlastet werden. Potenzial gibt es auch bei Lehrkräften an der Schwelle zum Ruhestand. Durch bessere Möglichkeiten des Hinzuverdienstes könnten befristet zusätzlich erfahrene Lehrkräfte für den Unterricht gewonnen werden.

Allerdings basieren die möglichen Maßnahmen mit Blick auf Teilzeitkräfte und Pensionäre auf Freiwilligkeit, so dass ihr Effekt nicht genau zu prognostizieren ist. Um dem sich verschärfenden Lehrermangel zu begegnen, braucht es deshalb zusätzlich Maßnahmen: Seiteneinsteiger müssen für den Einsatz an Grundschulen gewonnen werden.

Flexible Wege in den Schuldienst ohne Qualitätseinbußen

Schon heute unterrichten in der Primarstufe, dort wo der Lehrermangel groß ist, Fachkräfte ohne Studium des Grundschullehramts. Angesichts der besonderen pädagogischen Herausforderungen bedarf es der sorgfältigen Auswahl, Qualifizierung und Begleitung von Seiteneinsteigern. Die Studienautoren machen deutlich, dass der Lehrermangel regional unterschiedlich ausfällt und die weitere Entwicklung von Unsicherheiten geprägt bleiben wird. Deshalb, so Dräger, müsse der lokale Bedarf in regelmäßigen Abständen aktualisiert und prognostiziert werden.

Weitere Informationen:

http://www.bertelsmann-stiftung.de

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