Für einen sachorientierten Blick auf Impfungen

Juni 2019

Die Medizinische Sektion am Goetheanum und die Internationale Anthroposophische Ärztevereinigung halten fest: Anthroposophische Medizin vertritt keine Anti-Impf-Haltung und unterstützt keine Anti-Impf-Bewegungen. Vielmehr setzt sie sich für einen sachorientierten und differenzierten Blick auf Impfungen ein.

»Anthroposophische Medizin würdigt ausdrücklich den Beitrag von Impfungen zur weltweiten Gesundheit«, schreiben die Medizinische Sektion am Goetheanum, Schweiz, und die Internationale Anthroposophischer Ärztevereinigung in einer gemeinsamen Stellungnahme. Zusammen mit Gesundheitserziehung, Hygiene und adäquater Ernährung haben Impfungen dazu beigetragen, dass »ungezählte Leben gerettet werden konnten«. Die Anthroposophische Medizin unterstützt Impfungen zur Vermeidung lebensbedrohlicher Erkrankungen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund konkreter gesundheitlicher Herausforderungen wie Klima, Armut, Flüchtlingsbewegungen, Massenunterkünfte, Unterernährung und anderes.

Masern sind vor allem für Säuglinge und Erwachsene eine schwerwiegende Infektionskrankheit. Gleichzeitig ist das Recht der Eltern beziehungsweise der Patienten zu respektieren, über die Impfung und den Impfzeitpunkt korrekt informiert zu werden. Dabei ist wichtig zu wissen: Die Masernimpfung schützt nicht jeden – mindestens ein Prozent der zweimal Geimpften weist keinen ausreichenden Impfschutz auf; auch ist die Frage nach dem optimalen Zeitpunkt zu stellen: »Eine Impfung mit neun Monaten hinterlässt häufiger ein Impfversagen als eine Impfung ab dem 15. Monat, die zu einem wesentlich zuverlässigeren Langzeitschutz führt«, sagt Georg Soldner, Kinderarzt und stellvertretender Leiter der Medizinischen Sektion am Goetheanum. »Bei zu früher Impfung«, so Soldner, »bleiben mehr Kinder unempfänglich gegen den Impfstoff.« Darüber hinaus gibt es Verantwortung gegenüber Menschen, die wegen eines Immundefekts nicht geimpft werden können. »Wenn Jugendliche meine Praxis verlassen«, fährt er fort, »überprüfe ich nach Möglichkeit, dass eine Masernimmunität gegeben ist. Es sollte nicht vorkommen, dass zum Beispiel ein Erwachsener ohne Schutz in ein Land reist – zum Beispiel im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojekts –, in dem es noch Masern gibt: Er kann dort sich und dann andere anstecken.« 

Für die Masernimpfung haben Studien gezeigt, dass sie zu einer positiven Reifung des Immunsystems beitragen kann. Zwar ist es laut Soldner »eine Tatsache, dass das Immunsystem des kleinen Kindes durch akut fieberhafte Erkrankungen reifen kann. Eine gesunde kindliche Entwicklung ist jedoch auch ohne Masern möglich, wenn Kinder andere akutfieberhafte Erkrankungen durchmachen und dabei eine möglichst schonende Behandlung und entsprechende Pflege erfahren.« 

Erklärung auf Englisch

Internationale Vereinigung anthroposophischer Ärztegesellschaften

Alle Nachrichten in dieser Kategorie

Offener Brief an die Ministerin für Schule und Bildung NRW

Waldorflehrerinnen haben einen offenen Brief an die Bildungsministerin Nordrhein-Westfalens geschickt, in dem sie ihre Ablehnung einer Maskenpflicht... [mehr]

Corona-Projekt: Schüler pflanzt Blumengarten auf dem Dach der Göttinger Waldorfschule

Um die oberen Klassen der Freien Waldorfschule Göttingen während des Corona-bedingten Shutdowns sinnvoll zu beschäftigen, gaben ihnen die Lehrer die... [mehr]

Faust for Future

Eigentlich sollten ja Schüler und Jugendliche die ersten Zuschauer sein zur Faust- Premiere 2020 im Goetheanum. Das fiel durch Corona aus und sollte... [mehr]

Kirgistan und Nadjeschda: Behinderte in der Corona-Krise

Im Laufe von wenigen Nachtstunden war Kirgistan plötzlich verändert. Die Mitarbeiter und Betreuten im Kinderzentrum Nadjeschda waren einiges gewöhnt,... [mehr]

Im Lockdown Beziehungen aufrechterhalten. Wie eine Waldorflehrerin zur Youtuberin wurde

Plötzlich darf niemand mehr zur Schule gehen – weder Schüler noch Lehrer. Plötzlich müssen Lösungen her, wie Lehrer und Schüler trotzdem in Kontakt... [mehr]

WERKSTATT Inklusion

Die WERKSTATT Inklusion ist ein Fortbildungsangebot zu Fragen inklusiver Waldorfpädagogik.  [mehr]

Jugendstudie »(Re)Search« geht weiter

Das Forschungsteam der Jugendsektion am Goetheanum setzt seine Jugendstudie »(Re)Search« fort. Es lädt junge Menschen dazu ein, ihr Erleben in dieser... [mehr]

Zertifiziertes Abschlussportfolio mit Kompetenznachweis für den Fachhochschulzugang

Die ersten »neuen« Schulabschluss-Portfolios wurden durch Prof. Dr. Stefan Ackermann von SocialCert erfolgreich zertifiziert.  [mehr]

Vom Wachsstift zum Laptop. Rückblick auf den Fernunterricht mit einer sechsten Klasse

Vom Tag der Einschulung an führe ich, Anka Müller-Tiburtius, die inzwischen sechste Klasse in der Freien Waldorfschule Everswinkel. Diese Klasse... [mehr]

Treffer 11 bis 20 von 1323

< Vorherige

1

2

3

4

5

6

7

Nächste >

Folgen