Impfen: Druck ist kontraproduktiv

Oktober 2017

Impfungen gehören aus gutem Grund zu den freiwilligen prophylaktischen Maßnahmen. Noch! Immer wieder wird in Deutschland darüber diskutiert, ob Impfungen nicht verpflichtend für alle sein sollten.

Befürworter einer rigiden Impfstrategie halten eine offene und kritische Auseinandersetzung mit Impfungen für gefährlich. Immer vehementer fordern sie eine staatliche Impflicht. Damit sollen die Impfquoten steigen: mehr Aufklärungskampagnen, mehr verpflichtende Beratung, Ausschluss von nicht geimpften Kindern aus Kita oder Schule und als ultima ratio auch Pflichtimpfungen. Dabei haben 97 Prozent der Schulanfänger die erste Masern-Impfung. Eltern, die zum Beispiel später impfen wollen, geraten zunehmend unter Druck.

Impflücken bei Erwachsenen – nicht bei Kindern

Nun hat auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Professor Lothar H. Wieler, in einem Gastbeitrag in der Ärzte Zeitung darauf hingewiesen, dass die größten Impflücken bei der Masern-Impfung bei Jugendlichen und Erwachsenen liegen. Nach Ergebnissen einer RKI-Studie seien bei den 18- bis 44-Jährigen mehr als 40 Prozent nicht gegen Masern geimpft. Diese Altersgruppe wäre aber von einer möglichen Impfpflicht nicht berührt.

»Zudem fanden Forscher aus Erfurt und Aachen heraus, dass eine Impfpflicht die Impfbereitschaft für die verbleibenden freiwilligen Impfungen deutlich verringern würde. Offenbar, so vermuten die Wissenschaftler, führt die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit dazu, sich diese bei nächster Gelegenheit ›zurückzuholen‹«, gibt Wieler zu bedenken. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine neue britisch-italienische Studie (»Misinformation lingers in memory: Failure of three pro-vaccination strategies«, PLoS ONE 12(7): e0181640), in der verschiedene Strategien getestet wurden, um bestimmte Klischees über das Impfen zu korrigieren. Zwei der drei getesteten Strategien führten sogar zu einer Verstärkung der vorherigen Urteile.

Selbstbestimmt entscheiden

Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführer von GESUNDHEIT AKTIV, überraschen diese Einsichten nicht: »Impfkampagnen, die pauschal die Vorteile vom Impfen preisen, führen selten zu einer Steigerung der Impfraten. Das zeigen Umfragen und Studien immer wieder. Dass nun auch offizielle Stellen diese Maßnahmen kritisch reflektieren, ist gut. Wir von GESUNDHEIT AKTIV argumentieren ganz grundsätzlich, dass auch beim Impfen Grundwerte wie Selbstbestimmung und das Recht auf die individuelle Entscheidung gelten. Nicht zuletzt heißt es direkt im dritten Absatz der Ottawa-Charta, dass die Gesundheit des Menschen zuerst eine Frage der Selbstbestimmung ist. Dafür stehen wir ein und machen uns deshalb für eine ergebnisoffene Aufklärung und Beratung zum Impfen stark.«

GESUNDHEIT AKTIV veranstaltet am 23. & 24. Februar 2018 in Berlin einen Kongress zum Thema: »Impfen: Selbstbestimmung oder Bürgerpflicht? Freiheit erhalten – Verantwortung leben«. Dieser richtet sich an Ärzte, Studierende und Auszubildende in der Medizin, Hebammen und Experten, die zum Thema Impfen beraten sowie an interessierte Bürger, Eltern und Journalisten.

Quelle: Gesundheit aktiv

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