Bund der Freien Waldorfschulen: Warnung vor Verschwörungstheorien

Juli 2015

Der Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen hat an die Kollegien der Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen appelliert, sich in den dafür geeigneten Fächern stärker mit zeitgenössischen politischen Tendenzen auseinanderzusetzen.

In einem Brief nimmt der Bundesvorstand Bezug auf den europaweit zu beobachtenden Trend »in längst überwunden geglaubte nationalistische Strukturen zurückzufallen«, die mit einer »Ablehnung der bestehenden politischen Strukturen Europas oder der transatlantischen Beziehungen« einhergingen. Eine gesunde Skepsis gegenüber intransparenten und undemokratischen Entscheidungsstrukturen und ein verstärktes Bürger-Engagement seien zwar zu begrüßen, eine substanzielle Quellenkritik sei unverzichtbar gerade angesichts der gerade im Internet kursierenden vielfältigen Darstellungen, die Fähigkeit zu dieser Kritik müsse den Schülern im Unterricht vermittelt werden. Mit Blick auf die an den Waldorfschulen »oft zu wenig akzentuierte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Fragen« seien Initiativen, hier qualifizierte Unterrichtsangebote zu machen, grundsätzlich zu begrüßen.

Anlass für den Brief waren aktuelle Vorfälle, in denen Waldorfschüler umstrittene Referenten in die betreffenden Schulen eingeladen hatten. Einfache Antworten auf komplexe Fragen würden auf junge Menschen aber oft verführerisch wirken, betont der Bundesvorstand in seinem Brief. »Es gehört zu unserer pädagogischen Verantwortung, junge Menschen aufzuklären und urteilsfähig zu machen, nicht aber, unsere Schulen zu Plattformen für die Verbreitung solcher Ideologeme zu machen«, so Henning Kullak-Ublick, Verfasser des Briefes.

Im vergangenen Schuljahr habe es mindestens fünf Vorfälle an deutschen Waldorfschulen gegeben, die wegen ihrer Nähe zur rechtsextremen oder »reichsbürgerlichen« Szene in die Presse gerieten. »Das erfordert eine gesteigerte Wachheit und klare Begriffsbildung, weil die Grenzen oft fließend, die Protagonisten Sympathieträger und Teilwahrheiten schwerer zu durchschauen sind als offensichtliche Irrtümer oder Lügen«, so Kullak-Ublick weiter. Nur durch einen qualifizierten Gesellschafts- und Wirtschaftsunterricht können die Schülerinnen und Schüler befähigt werden, »sich auf der Grundlage belastbarer Kenntnisse bewusst mit der Zeit, in der sie leben, auseinanderzusetzen«.

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