Für ein Bürgerkrankenhaus in Hamburg

Dezember 2015

Fast 200 Personen kamen am 2. Dezember 2015 zusammen, um sich über die Idee eines Bürgerkrankenhauses mit integrativer Medizin für die Hansestadt zu informieren. Der Saal war damit gefüllt bis auf den letzten Platz.

Anlass für die Veranstaltung war die Umwandlung der Abteilung für Integrative Medizin am Asklepios Westklinikum Rissen in eine rein geriatrische Station. Damit gibt es in ganz Norddeutschland keine einzige klinische Einrichtung mehr mit dem Konzept einer stationären integrativen allgemein-internistischen Medizin.

»Wenn das Gesundheitswesen sich verändern soll, dann geht das nur seitens der Bürger und Patienten ­– es ist an der Zeit, dass die Bürger ein Mitbestimmungsrecht haben«, meinte Dr. Jörn Klasen, Internist im Zentrum für Interdisziplinäre Medizin am Klinikum Stephansplatz und früherer Leitender Arzt der Rissener Abteilung. Ehemalige Patienten berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen, die sie auf dem Weg durch eine Krankheit mit integrativer Medizin gemacht haben. Ihre Schilderungen machten deutlich, worauf es ankommt: Patienten wollen gesehen werden, als Individuen mit allen Stärken und Schwächen wahrgenommen und in den Therapieprozess einbezogen werden. Dieses Erleben geht vielen Patienten in dem meist durchgetakteten, industrialisierten Klinikalltag weitestgehend verloren.

Wie jedoch kann so ein ambitioniertes Vorhaben in unserem heutigen System praktisch umgesetzt werden – finanziell ebenso wie im Klinikalltag? Dr. Olaf Städtler, Chefarzt der Inneren Medizin und Mitbegründer des Einbecker BürgerSpitals, schilderte, wie dieses einst vor der Schließung bewahrt werden konnte, weil sich die Einbecker Bürger dafür engagierten. Seine Erkenntnis: »Für ein solches Vorhaben braucht es Enthusiasten, die die vielen ›Neins‹ und ›Abers‹ einfach wegnicken.«

In einem weiteren Beitrag beschrieb Martin-Günther Sterner, Chefarzt der Inneren Medizin I am kommunalen Klinikum Niederlausitz, wie sich ein werteorientierter Prozess des Umdenkens im Sinne einer integrativen Medizin in einem konventionellen Klinikbetrieb über die Jahre hinweg vollziehen konnte und sich heute großer Nachfrage und Beliebtheit erfreut. Ein Erfolgsmodell – ausgerechnet im strukturschwachen Ostdeutschland. 

Fazit aller Beiträge: Ein Integratives Bürgerkrankenhaus in Hamburg zu gründen, macht Sinn und kann funktionieren.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion meldeten sich die ersten Mitstreiter zu Wort. Sie alle eint ein klares »Ja – ich will mich hier mit einbringen!« Menschen mit langjährigen Kompetenzen aus dem Wirtschaftsleben, aus dem Gesundheitswesen und Organisationsentwickler waren hier ebenso vertreten wie Medizinstudenten. Gerade letztere waren begeistert von der Perspektive, später womöglich in so einem Krankenhaus arbeiten zu können. Denn schon jetzt lebt in ihnen der Wunsch, mit Patienten gemeinsam an der Therapie zu arbeiten, anstatt ihnen zu sagen, was gut für sie ist.

Wer diese Initiative von der Idee her oder auch organisatorisch unterstützen und weiter voranbringen möchte, ist herzlich zum ersten Treffen im neuen Jahr eingeladen: 

am 27. Januar 2016 um 18:30 Uhr in der GLS Gemeinschaftsbank, Düsternstraße 10, 20355 Hamburg

Quelle: Gesundheit aktiv

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