Immer mehr Waldorfschulen nehmen Flüchtlingskinder auf

April 2016

Die Waldorfschulen in Deutschland nehmen immer mehr geflüchtete Kinder und Jugendliche auf. Das geht aus einer Analyse der Beratungs- und Koordinierungsstelle des Bundes der Freien Waldorfschulen (BdFWS) und der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. hervor. Bisher haben bundesweit 21 Waldorfschulen ein Angebot für Betroffene geschaffen, mindestens 30 weitere Schulen planen ein solches Angebot.

Die Beratungs- und Koordinierungsstelle war im Herbst 2015 in Karlsruhe eingerichtet worden, um interessierte Waldorfschulen bei der Aufnahme von geflüchteten Kindern und Jugendlichen zu unterstützen. Durch die Notfallpädagogik verfügt die Waldorfpädagogik über erprobtes Know How bei der Betreuung traumatisierter Kinder und Jugendlicher. In Deutschland organisieren die Freunde der Erziehungskunst mit Sitz in Karlsruhe auch Fortbildungen zur Notfallpädagogik. Außerdem vermitteln sie Freiwilligendienste im In- und Ausland, so auch Freiwillige mit Flüchtlingsbezug an Waldorfschulen. Dazu gebe es aktuell 30 Anfragen von Waldorfschulen, teilte die Beratungsstelle mit.

Generell sind die Waldorfschulen für die Aufnahme von geflüchteten Kindern und Jugendlichen gut gerüstet – dies ergab ein Austausch erster Erfahrungen mit beteiligten Waldorflehrern auf der Bildungsmesse didacta Ende Februar in Köln. Zum einen bieten die handwerklich-künstlerischen Fächer den Schülern die Möglichkeit, im Unterricht auch bei geringen Deutschkenntnissen schon zu Erfolgserlebnissen zu kommen. Außerdem bilden Waldorfklassen, in denen seit jeher großer Wert auf die Herausbildung sozialer Kompetenzen gelegt wird, ein gutes Umfeld für die Integration. Auch die Schulgemeinschaft der Waldorfschulen erweist sich als hilfreich für die Integration der Flüchtlingseltern, wie die auf der didacta genannten Beispiele aus Nordrhein-Westfalen und Hessen zeigten.

Durch besonders günstige Bedingungen für die Aufnahme der geflüchteten Kinder und Jugendlichen zeichnen sich diejenigen Waldorfschulen aus, die inklusiv arbeiten oder berufliche Bildungsgänge integriert haben wie die Windrather Talschule in Velbert (NRW) oder die Freie Waldorfschule in Kassel, die über ein eigenes Berufsbildungswerk verfügt.

Betont wurde bei der didacta-Veranstaltung allerdings auch die Notwendigkeit zur Fortbildung für Waldorflehrer, die Flüchtlinge in ihre Klassen aufnehmen, hinsichtlich der Themen Traumatisierung und Interkulturalität. Hier ergebe sich zudem eine Aufgabe für die Ausbildungsstätten der Waldorfpädagogik, wie die Experten unterstrichen. Referenten zum Thema waren Bernd Ruf von den Freunden der Erziehungskunst und Barbara Schiller von der Organisation stART International.

An den einzelnen Waldorfschulen, die geflüchtete Kinder und Jugendliche integrieren, gibt es dazu verschiedene Modelle. In Berlin und Kassel wurden eigene sog. Willkommensklassen für sie eingerichtet, in Stuttgart hat die Freie Waldorfschule Uhlandshöhe die Geflüchteten in bestehende Klassen integriert. Die finanzielle Absicherung der Aufnahme gestaltet sich je nach Region sehr unterschiedlich. Während an einigen Waldorfschulen Lehrerstellen für die Flüchtlingsklassen finanziert werden oder Jugendämter sogar die Elternbeiträge für die Schüler übernehmen, müssen andere Waldorfschulen langwierig mit den Behörden über die Erstattung der Schulbeiträge verhandeln. Die Kasseler Waldorfschule kooperiert auch eng mit ortsansässigen Firmen, um Sponsoren für die Schulbeiträge zu gewinnen und ist ebenfalls mit Stiftungen dazu im Gespräch.

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