Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen Thüringen nimmt Stellung zur Situation an der Freien Waldorfschule Weimar

Dezember 2020

Die vier Waldorfschulen in Gera, Jena, Erfurt und Eisenach sind zutiefst entsetzt über die in den vergangenen Tagen verschiedentlich bekannt gewordenen Vorwürfe von körperlicher und verbaler Gewalt von Lehrkräften gegenüber Schülerinnen und Schülern der Freien Waldorfschule Weimar.

Uns ist nicht bekannt, was diesbezüglich tatsächlich im Einzelnen geschehen ist, aufgrund der Berichterstattungen sind wir jedoch sehr betroffen und in großer Sorge. Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen ist nicht nur absolut unvereinbar mit den pädagogischen Zielen und Grundsätzen der Waldorfpädagogik und jeder zeitgemäßen Erziehung, sie wirkt sich vor allem dauerhaft schädlich auf die psychoemotionale Entwicklung der betroffenen Kinder aus. Gewalt kann und darf niemals ein pädagogisches Mittel darstellen, sie muss jederzeit und sofort von den verantwortlichen Schulgremien unterbunden und nachhaltig verhindert werden.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Thüringer Waldorfschulen fordert daher eine zügige und gründliche Aufarbeitung der Vorfälle und erwartet, dass die Weimarer Schule alle gebotenen Konsequenzen daraus zieht, was einschließt, dass Lehrkräfte, von denen nachweislich Gewalt ausging, nicht weiter an der Schule unterrichten dürfen. Darüber hinaus erwarten wir, dass die Schulstrukturen so modernisiert und in eine Form gebracht werden, dass Missstände jedweder Art künftig sofort bearbeitet werden können.

Die Leitungsstrukturen der Waldorfschulen sind darauf ausgelegt, professionell und zeitnah auf Übergriffe zu reagieren und die notwendigen, auch personellen, Konsequenzen daraus zu ziehen. Die Trägervereine der Schulen in Thüringen werden i.d.R. von hauptamtlichen Vorständen geführt, die von einem Aufsichtsrat regelmäßig überwacht und beraten werden. Zudem gibt es Schulkonferenzen in denen eine Vertretung des Kollegiums, der Elternschaft (Elternrat) und der Schülerschaft (Schülerrat) verbindlich zusammenarbeiten. Solche Strukturen ermöglichen, Missstände frühzeitig wahrzunehmen, sie zu thematisieren und daraufhin gezielt zu handeln.

Rechtlich ist jede Waldorfschule eigenständig. Der jeweilige Schulträgerverein ist Arbeitgeber für alle Mitarbeiter der jeweiligen Schule. Auch die Schulen in freier Trägerschaft, zu denen die Waldorfschulen gehören, stehen unter der staatlichen Schulaufsicht. Wir begrüßen ausdrücklich, dass das zuständige staatliche Schulamt und das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport eingeschaltet und aktiv geworden sind.

Wir fordern die Freie Waldorfschule Weimar nachdrücklich auf, die Vorwürfe von Gewalt gegenüber Schutzbefohlenen umgehend aufzuklären und die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.

Im Namen der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Thüringen: Susan Neudert, Peter Häuser, Andrea Fabry, Sabine Thiebe

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