Making van Gogh. Ausstellung im Frankfurter Städel

Von Oscar Scholz, November 2019

»Er war eins mit dem Element, das er darstellte, malte sich selbst in den lodernden Wolken, in denen tausend Sonnen der Erde Zerstörung drohen, in den entsetzt zum Himmel aufschreienden Bäumen, in der schrecklichen Weite seiner Ebenen.«

Diese im Jahre 1904 von dem deutschen Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe über Vincent van Gogh geäußerten Worte können in der sensationellen Ausstellung »Making van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe« im Frankfurter Städelmuseum in der Tat zum Erlebnis werden. Dabei folgt die Ausstellung einer besonderen Fragestellung: Van Goghs besonderer Beziehung zu Deutschland wird in drei großen Schritten und Themenbereichen nachgegangen. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Rezeption van Goghs und der Entstehung des Mythos um seine Person (worauf sich der Haupttitel der Ausstellung bezieht), der sich innerhalb von wenigen Jahren bildete: Um 1900, zehn Jahre nach seinem Tod, war van Gogh hierzulande noch nahezu unbekannt. Der zweite Teil zeigt Wirkung und Einfluss auf die jungen Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der dritte ist schließlich der Entwicklung der sehr unterschiedlichen Stilweise und der besonderen, unverkennbaren Malweise van Goghs gewidmet, die von vielen Künstlern aufgegriffen wurden. Die Ausstellung umfasst 120 Werke: 50 Arbeiten van Goghs und 70 Arbeiten von Max Beckmann, Otto Dix, Kandinsky, Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker und anderen – Leihgaben aus aller Welt.

Höhepunkt der Ausstellung ist der Saal »Maler der Sonne«, in dem nachvollzogen werden kann, in welcher Weise van Goghs Gemälde, die die lodernde Sonne in den Mittelpunkt der Komposition stellen, die deutschen Expressionisten beeindruckt haben. Arbeiten von Otto Dix und Walter Ophey sowie Josef Scharl, Carl Lohse und Max Pechstein zeigen ihre schöpferische Auseinandersetzung mit diesem Werksbereich van Goghs, ihre produktive Reaktion.

Auch wenn die existenzielle Wucht der Werke van Goghs die Geschäftigkeit des Massenpublikums und die etwas übereifrigen Sicherheitsleute mit ihren ständig schnarrenden Walkie-Talkies immer wieder vergessen lässt, ist es angebracht, viel Zeit und Ruhe in die Ausstellung mitzubringen und, wenn es irgend geht, nicht das Wochenende für einen Besuch auszuwählen. Das Städelmuseum rechnet mit über 300.000 Besuchern.

Die ästhetische und didaktische Konzeption der Ausstellung, an der sechs Jahre gearbeitet wurde, ist gleichermaßen grandios. 

»Making van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe«

Städelmuseum Frankfurt, bis 16. Februar 2020. Täglich 10.00 bis 19.00 Uhr, Donnerstag und Freitag bis 21.00 Uhr, Montag geschlossen.

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