Tagung Pädagogik und Sprache

Dezember 2021

Theater – Sprache – Begegnung. Schule im digitalen Zeitalter und die Pflege von Sprechen und Sprache.

»Wir brauchen ein neues Verhältnis zur Sprache. Ja, es klingt paradox, und dennoch, wahr ist es: Wir brauchen ein neues Verhältnis zur Sprache, wenn wir in der Menschheitsentwicklung vorwärts kommen wollen.« Rudolf Steiner, 1920

Dies sind gewichtige und herausfordernde Worte, und nach 100 Jahren von nicht minderer Aktualität. Herausfordernd auch für alle, die in unterrichtender und erzieherischer Tätigkeit die sprachliche »Umgebung« von Kindern und Jugendlichen bilden.

Die Bedeutung der Sprache in der Pädagogik

Es gibt wohl keinen pädagogischen Zyklus, in welchem Rudolf Steiner nicht auf die eminente Bedeutung der Sprache unter den verschiedensten Aspekten für die Entwicklung des Kindes und Jugendlichen hinweist. So z.B. erlebt das Kind in den ersten Schuljahren die Sprache als Rhythmus, als Klang, als Bewegung, mit welchen es sich freudig nachahmend verbindet; in der Mittelstufe vertieft sich das Verhältnis zur Sprache und ihrem dichterischen Reichtum durch ein sich differenzierendes seelisches Innenleben; im Jugendalter wächst an der Sprache die Verantwortung für ein wahrhaftiges Denken und Sprechen.

Diese Entwicklungen zu begleiten, ist eine große Aufgabe. Sie erfordert ein individuelles, stets neu zu belebendes Verhältnis zur Wirksamkeit der Sprache, das auch von Freude und Begeisterung erfüllt ist und ein Verständnis für die Menschenkunde der einzelnen Altersstufen. Konkrete Unterstützung für diese Aufgabe war 1919 unter anderem der pädagogische Kurs für die zukünftigen Lehrkräfte der Waldorfschule mit Sprech-Übungen, die auch für die Klassen gedacht waren.

Der »Initiativkreis Pädagogik und Sprache«

In den ganz auf die Praxis gerichteten Angaben von Rudolf Steiner für eine Schulung der eigenen Sprachkompetenz liegt eine reiche Quelle – aber ist diese Quelle noch so wirksam wie zur Zeit ihres Ursprungs? Wo und in welchen Formen finden Lehrerinnen und Lehrer Angebote und Unterstützung, sich übend, vielfältig und kreativ mit dem »Instrument« ihrer Sprache auseinanderzusetzen und Inspiration für ihren Unterricht zu holen? Solche Fragen zur Pflege der Sprache in den Waldorf-und Rudolf-Steiner-Schulen führten 2013 einige Sprachgestalterinnen zu einem Austausch mit den Leitern der Pädagogischen Sektion und dann zur Bildung des »Initiativkreis Pädagogik und Sprache«. Beteiligt sind Sprachgestalter und Pädagogen, inspirierend begleitet durch Claus-Peter Röh.

Weiterbildungsangebote

Der Initiativkreis möchte durch seine Tagungen beitragen, Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Bemühen um die Sprachpflege anzuregen, zu unterstützen, zu begeistern im Bewusstsein, wie entscheidend dies heutzutage ist. Denn nicht nur die Schule ist sprachliche Umgebung, Sprache ist in allen Formen von Medien präsent – aber wie, mit welchen Qualitäten, mit welchen Gefahren, mit welchen Konsequenzen?

Die Tagung in Wuppertal – nun die dritte in Folge – lädt in Arbeitsgruppen und mit Vorträgen ein zu einer Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit einer ich-verantworteten Sprache in einer zunehmend anonymen, technisierten »Sprachwelt«. Im Fokus steht dieses Mal der Raum, in welchem im Spiel und im Theater Begegnung stattfinden kann, im Austausch mit einem Du wird Verantwortung im Sprechen und Ich-Präsenz erlebbar.

Wir möchten Lehrerinnen und Lehrer aller Schulstufen sowie Studierende und Interessierte herzlich zu der Tagung vom 4. bis 6. März 2022 in Wuppertal einladen!

Für den Initiativkreis Pädagogik und Sprache

Blanche-Marie Schweizer, künstlerische und therapeutische Sprachgestaltung, RSS Bern Ittigen Langnau

Tagung in Wuppertal 4.–6. März 2022

Programm und Anmeldung unter:

https://sprachgestaltung.com/2021/theater-sprache-begegnung

aus: Schulkreis, Dezember 2021

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