Musikszene in der Coronakrise

Von Redaktion, April 2021

Eine Online-Befragung des Landesmusikrats NRW dokumentiert die problematische Einkommenssituation der Freischaffenden in der Musikbranche.

In der Corona-Krise hat sich die ohnehin schwierige finanzielle Situation der freischaffenden Musiker und Musikpädagogen noch einmal dramatisch verschärft. Das zeigt eine vom Landesmusikrat NRW initiierte Online-Befragung. An der von Prof. Dr. Heiner Barz, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, durchgeführten Studie nahmen ca. 200 Musiker aus der freien Musikszene teil.

Die Folgen der Corona-Krise erleben viele der Befragten als problematisch. Einkommensanteile von 70%, 80% oder gar 100% sind abrupt weggefallen. Worte wie »Desaster« und »Katastrophe« finden sich in den Antworten. Als fast genauso dramatisch beschreiben viele die sozialen und psychischen Folgen: Die fehlenden realen Kontakte zu Kollegen, Schülern und überhaupt zu Mitmenschen führen zu sozialer Isolation. Das Wegbrechen vieler Aufträge und Auftritte können einige durch Verlagerung der Tätigkeitsfelder, meist hin zu mehr Unterricht, zumindest teilweise kompensieren. Den teilweise positiven Erfahrungen mit dem Online-Unterricht im Zuge der Corona-Maßnahmen stehen negative Aspekte gegenüber, die eine fast doppelt so große Gruppe berichtet.

Viele Befragte nennen auch positive Erfahrungen in der Corona-Krise: Insbesondere die Solidarität und die treue Unterstützung durch Auftraggeber oder Schüler werden hier genannt. Die Refinan­zierungsmöglichkeiten durch staatliche Hilfsgelder werden von den Befragten skeptisch bewertet: 70% der Studienteilnehmer konnten dadurch nach eigener Einschätzung den wirtschaftlichen Schaden nicht oder nicht nennenswert kompensieren.

Angesichts der oft problematischen wirtschaftlichen Situation ist die Zufriedenheit mit dem gewählten Musik-Beruf überraschend hoch: Die überwiegende Mehrheit (71%) sagt, dass sie sich erneut dafür entscheiden würde. Nur 6% der Befragten würden sich heute nicht mehr dafür entscheiden; gelegentliche Zweifel geben 23% an. Die hier zum Ausdruck gebrachte hohe Gesamtzufriedenheit resultiert offenbar vor allem aus einer hohen Befriedigung intrinsisch motivierter Bedürfnisse. So finden sich hohe, über 80% liegende Zufriedenheitswerte »im Hinblick auf Aspekte wie Sinn und Bedeutung«, während mit der Einkommenssituation nur ungefähr die Hälfte der Befragten zufrieden ist.

Zum Download der Studie

Alle Nachrichten in dieser Kategorie

Das geht zu weit! Kommentar zur »Corona-Notbremse«

Der Rechtsanwalt und Mediator Ingo Krampen, Bochum, veröffentlichte auf der Webseite der Kanzlei Barkhoff und Partner eine Stellungnahme zur... [mehr]

Musikszene in der Coronakrise

Eine Online-Befragung des Landesmusikrats NRW dokumentiert die problematische Einkommenssituation der Freischaffenden in der Musikbranche. [mehr]

Rechtfertigt die Gefährdung von Kindern durch COVID-19 Schulschließungen?

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) veröffentlichten eine... [mehr]

Offener Brief

In einem offenen Brief veröffentlichten gemeinsam die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, die Bundesarbeitsgemeinschaft der... [mehr]

Unterricht im Freien und pädagogische Phantasie statt Schulschließungen

Der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) kritisiert die zu erwartenden vermehrten Schul- und Kitaschließungen durch das geänderte... [mehr]

Memorandum zur Corona-Politik

Michaela Glöckler und Andreas Neider haben ein Memorandum für ein Umdenken in der Corona-Politik und mehr Verständnis für die Meinungsvielfalt in der... [mehr]

Quo vadis, Schule?

Der Bund der Freien Waldorfschulen stellt gemeinsam mit der Medizinischen und der Pädagogischen Sektion am Goetheanum ein Thesenpapier zur... [mehr]

Corona und kein Ende

Vor einem Jahr haben die Waldorfschulen weltweit ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Das Schuljahr 2019/20 war von vielen und erfolgreichen... [mehr]

Umfrage zur Bewältigung von Pandemieeffekten im Alltag

Angesichts des anhaltenden gesellschaftlichen Ausnahmezustands führt die Leibniz Universität Hannover die 2. Welle der Befragung... [mehr]

Deutsches Gericht mit altägyptischem Bewusstsein …

Wer im altägyptischen Totenbuch schmökert, findet dort sehr sprechende Belege dafür, wie es um das Bewusstsein im alten Ägypten bestellt war. [mehr]

Treffer 1 bis 10 von 73

1

2

3

4

5

6

7

Nächste >

Folgen