Spinnen in Corona-Zeiten

Von Ursula Maurer, Mai 2020

Von Ende April bis Ende Mai hatte die 10. Klasse der Annie Heuser Schule Berlin Textiltechnologie-Epoche. Die Schüler holten die Spinnräder, Spindeln und Wolle aus der Schule ab, um zu Hause das Spinnen zu lernen.

Wir trafen uns zuerst jeden Tag gemeinsam beim Onlineunterricht, dann teilten wir uns auf: Es gab Schüler im Präsenzunterricht und eine Liveschaltung aus dem Handarbeitsraum zu den Schülern, die zu Hause waren. Die Zeichnungen für das Arbeitsbuch führten wir gemeinsam während des Onlineunterrichtes durch. In der verbleibenden Online-Zeit lernten wir spinnen.

Auch in dieser Epoche wurde es manchmal ganz still, als die Schüler am Flügelspinnrad spannen, so wie ich es aus der gewöhnlichen Epoche kenne. Nur dass man das Klappern der Spinnräder nun auch aus dem Computerlautsprecher hörte.

Schülerstimmen

Mir hat das Spinnen am Flügelspinnrad sehr viel Spaß gemacht! Am Anfang hatte ich gar keine großen Schwierigkeiten. Ich konnte relativ schnell beginnen und das Spinnen ging ganz gut. Doch dann hatte ich irgendwann viel zu viel Drall und der Faden kräuselte sich, was mich ärgerte. Ich habe etwas rumprobiert, die Bremse fester oder lockerer gestellt und langsamer getreten, was im Endeffekt am besten funktioniert hat. Als ich das Spinnrad mit nach Hause nahm, und dort weiter machte, riss mir öfter der Faden. Ich habe dann ewig wieder eingefädelt, aber das Garn riss und riss. Meine Strategie war dann, den Faden erst mal festzuhalten und zu treten, damit Drall reinkommt und das Ganze besser hält. Das hat geholfen!

Das Verzwirnen am Ende hat mich etwas angestrengt, weil ich nur noch wenig Zeit hatte und es dafür ziemlich lange dauerte. Aber jetzt bin ich fertig und freue mich sehr, vor allem die bunte Wolle sieht sehr schön aus!

Vielleicht stricke ich eine Mütze daraus oder kleine Socken für meine Schwester.

Matilda

Mir ist es sehr gut ergangen, vielleicht auch deswegen, weil ich in der Woche, in der wir das Flügelspinnrad kennenlernten, in der Schule, also im Präsenzunterricht war. So hatte ich am Anfang zum Glück keine großen Schwierigkeiten. Mein Garn war an manchen Stellen locker aufgespult oder hat sich verkordelt, da ich das Umhaken und dessen Wichtigkeit erst später entdeckte. Doch dann lief alles perfekt. Öfter riss der Faden, manchmal bestimmt zwanzig Mal hintereinander, aber mit der Zeit lernte ich, damit umzugehen. Die kardierte Wolle war etwas schwerer zu verspinnen als die weiße Naturwolle, denn manchmal bildeten sich Knötchen.

Am Ende der Epoche musste ich dann nochmal Gas geben, um die zweite Spule so voll zu spinnen wie die erste. Deshalb verbrachte ich manche Abende mit Spinnen und schaute parallel Serien. Das Verzwirnen kostetet auch ganz schön viel Zeit, da ich ziemlich viel Garn hatte. Deshalb verbrachte ich einen ganzen Tag damit, zu verzwirnen und die Länge des Garnes zu messen und Wollknäule zu wickeln. Alles hat mir sehr viel Spaß gemacht. Vielleicht lege ich mir irgendwann auch ein eigenes Spinnrad zu. Ich habe 535,86 Meter verzwirntes Garn!

Lucia

Ich fand den Textilkunde-Unterricht sehr gut. Das Spinnen und Verzwirnen hat etwas gedauert, was eher an den Umständen lag, dann hat es aber auch geklappt. Auch die Lösung mit der Aufteilung in Schulunterricht und Homeschooling fand ich sehr passend. Nur die Arbeit mit dem Heft hat bei mir nicht so gut funktioniert. Und auch wenn es mir bestimmt nicht geschadet hat, ist die Frage, wann ich diese Fähigkeit das nächste Mal benutzen kann.

Yoshio

Ich persönlich fand die Epoche ganz interessant und wichtig, wir müssen wissen, wie die Wolle in der damaligen Zeit hergestellt wurde. Mir hat die Epoche sehr viel Spaß gemacht, auch zu Hause und auch in der Schule. Es gab Schwierigkeiten mit dem Online-Unterricht, man konnte nicht alles mitbekommen, deswegen habe ich manche Aufgaben falsch gemacht. Als ich wieder in der Schule war, wurde mir alles nochmals erklärt, wie man richtig spinnt und ab da hat es mir noch mehr Spaß gemacht. Vielen Dank für die wunderbare Epoche!

Fatema

Ab der zweiten Woche gewann ich Leichtigkeit und Freude beim Spinnen und mir gelang ein dünn gesponnener Faden.Ich empfand es als sehr meditativ, einfach nur der Prozess, wie aus Wolle sich ein fein gesponnener Faden entwickelt, zu betrachten.

Hin und wieder riss mein gesponnener Faden, wegen zu wenig Drall. Insgesamt bin ich sehr glücklich, das Spinnen erlernen zu dürfen und jetzt ein selbst gesponnenes Wollknäul zu haben.Dankeschön für diese schöne Erfahrung!

Lisanne

Ich hätte auch noch viel mehr zu berichten über meine Gedanken, wie ich diese Epoche konzipiert habe, das Arbeitsbuch ausgearbeitet habe – basierend auf Selbststudium mit Anregung zur Selbstreflektion –, über die Onlinetreffen zur Festigung der Gemeinschaft, das Spinnen als heilsame Tätigkeit in dieser Zeit. Die Zeichnungen gemeinsam mit den Schülern als Tafelbilder, die meistens zusammen während des Onlineunterrichtes entstanden, aber auch in der Woche als wir nur Onlineunterricht hatten, bin ich in die Schule gefahren, um schöne Tafelbilder zu malen.

Auch für mich war diese Epoche heilsam. Sie hat mich aus dem Loch – »Was machen wir jetzt eigentlich?« – herausgeholt und ich durfte kreativ sein. Und es kam mir viel Dankbarkeit von den Schülern entgegen.

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