Ukubona – ein kunsttherapeutisches Projekt für Kinder in Südafrika

Oktober 2014

Südafrika ist ein Land der Gegensätze. Es wird auch als Regenbogennation bezeichnet, denn viele verschiedene Kulturen und Menschen treffen hier aufeinander. Trotz des großen Fortschritts in den letzten Jahren herrscht in den sogenannten Townships der großen Städte weiterhin Armut und Kriminalität. Der Alltag wird beherrscht von Angst – vor Verlust, vor der Zukunft.

»Ich versuche meine Kinder so zu erziehen, dass sie wissen, was sie machen müssen, wenn ich und mein Mann einmal nicht mehr von der Arbeit nach Hause zurück kommen würden«, sagt Nozuko, eine südafrikanische Mutter und gibt damit der Stimmung vieler Menschen Ausdruck. Denn viele Kinder in Südafrika werden allein gelassen, manche durch Krankheit und Tod der Eltern, andere wegen der nicht zu bewältigenden Armut oder auch dem Gefühl der Eltern, unfähig zu sein, das eigene Kind zu ernähren. 

Das Projekt Ukubona – der Name kommt aus der Sprache der Xhosa und bedeutet »Sehen« – möchte sich über die Mittel der bildenden Kunst und der Kunsttherapie mit den Kindern dieser Orte auseinandersetzen. Ukubona wird für 6 Monate in Khayelitsha, einem der größten und kriminellsten Townships in Südafrika, in einer kleinen Waldorfschule arbeiten. Hier gehen etwa 250 Kinder in die erste bis siebte Klasse. Schon die Idee der Waldorfschule beinhaltet im Kern viel Kreativitätsförderung und Aufmerksamkeit dem Einzelnen gegenüber. Durch kunsttherapeutische und erlebnispädagogische Methoden möchte Ukubona verstärkt auf den Einzelnen, aber auch auf die Gemeinschaft eingehen.

Drei junge Kunsttherapeutinnen, die in enger Freundschaft verbunden sind und sich durch unterschiedliche Erfahrungen und Gedanken im Praktischen gut ergänzen, haben sich zusammengefunden, um die Idee Ukubona in die Zenzeleni Waldorfschool zu bringen.

Für unser Projekt wollen wir ganz unterschiedliche Materialien verwenden. Wir beginnen mit dem, was auf den Straßen herumliegt: Schrott und Plastik. Durch eine kreative Auseinandersetzung wird ein Kunstwerk geschaffen und so ein neuer Blickwinkel auf die nahe Umgebung ermöglicht. Dabei geht es auch um den Gedanken der Verschwendung und Verschmutzung. Es soll Bewusstsein und ein wertschätzender Umgang mit den örtlichen Gegebenheiten geschaffen werden, den die Kinder in ihr zukünftiges Leben tragen können.

Die Entdeckung der Natur soll dann eine neue Brücke zur Kunst ermöglichen. Hier wollen wir mit Prinzipien aus der Land Art Skulpturen erschaffen. In einer gemeinsamen Arbeit soll im weiteren Verlauf ein Sinnespfad auf dem Schulgelände entstehen, den die Kindern selbst gestalten. Hier geht es um Themen der Selbst- und Fremdwahrnehmung, sowie um die Entfaltungschancen eines jeden Einzelnen. Dieser Sinnespfad stellt dann ein beständiges, erlebbares Kunstwerk dar, das von den Kindern immer wieder begangen werden kann. Neue Sinnesempfindungen können zu neuer Gedankenbildung beitragen und neue Perspektiven für die eigene Zukunft eröffnen.

Das Kunstprojekt soll das Gemeinschaftsgefühl fördern und vorhandene Ressourcen und Stärken der Kinder und Jugendlichen freilegen. Dieser positive Blick kann zu neuen, kreativ aufzugreifenden Lebensideen führen.

Eine Abschlussausstellung in Kapstadt soll den Künstlern und den Kindern ein Forum geben, das Erlebte und Getane anzuschauen und dessen Wert zu erkennen. Die Ausstellung soll anschließend auch in Deutschland gezeigt werden werden, um einen Austausch zu fördern und auf die schwierige Lage der Kinder in Südafrika aufmerksam zu machen.

Das Kunstprojekt für Kinder und Jugendliche in der Zenzeleni Waldorf School in Khayelitsha, Südafrika findet von Dezember 2014 bis Mai 2015 statt.

Verantwortlich sind: Laura Siegel, Jette Wedekind und Veronika Zwipf. Unterstützt wird es von den Freunden der Erziehungskunst.

Kontakt: projekt(at)ukubona.org | www.ukubona.org

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