Um-Bildungen auf dem Stuttgarter Hügel. Auf der bildungsART zeigen Ausbildungseinrichtungen Präsenz

Von Petra Plützer, März 2019

»Wir müssen Zentren in der Gesellschaft wie das Ihre stärken, die den Weg der Freiheit gehen und ihn auch nie verlassen haben,« sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei seinem Besuch auf der Uhlandshöhe in Stuttgart. Die Anthroposophische Gesellschaft hatte ihn im Rahmen der Tagung »bildungsART« des campus A eingeladen. Geboten wurde vom 5. bis 10. März eine Woche voller Workshops, Kunst und Vorträgen unter dem Motto »Bildung«.

Performance. Foto: © Judit Stott

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann beehrte die bildungsART mit seiner Präsenz. Foto: © Judit Stott

100 Jahre Waldorfpädagogik – »ein guter Moment, dass der Ministerpräsident das einmal würdigt«, betonte Kretschmann. In seinem Vortrag führte er aus: »Tablets können das nicht leisten, worauf es beim Unterrichten ankommt. Üben Sie Macht aus, in kreativem, gestalterischem Sinne«, und beglückwünschte die Freie Hochschule zu ihrem neuen Von-Tessin-Lehrstuhl für Medienpädagogik.

Nana Goebel von den »Freunden der Erziehungskunst« gab in ihrem Vortrag einen historischen Überblick über die internationale Entwicklung der Waldorfpädagogik. Die Darstellung der Verbreitung von Waldorfschulen zeigte nicht mehr viele weiße Flecken auf der Weltkarte.

Dagegen sah der ehemalige Top-Manager und Bundestagsabgeordneter der FDP, Thomas Sattelberger, Waldorfpädagogik eher als eine kleine Randerscheinung der Gesellschaft. Seinem Vortrag »Zukunftsressource Kreativität – Bildung am Scheideweg« folgte ein kontroverses Podiumsgespräch mit Rainer Patzlaff (IPSUM), Walter Kugler (Mitherausgeber der Rudolf Steiner Gesamtausgabe) und der Waldorfschülerin Marianne Siebeck (Mitglied der demokratischen Stimme der Jugend). Für Sattelberger ist es die digitalisierte Gesellschaft von morgen, die das Wirtschaftsleben schon heute bestimmt und an der es sich auszurichten gilt. Diese Aufgabe sollte die Bildungsinhalte maßgeblich bestimmen. Eine Haltung, an der sich unter den vielen engagierten jungen Tagungsteilnehmern eine spannende Diskussion entzündete.

In seinem Vortrag »Der Mensch vor der digitalen Sphinx«, führte Edwin Hübner (Freie Hochschule Stuttgart) aus: »Die Tatsache, dass Technologie im Alltag nötig ist, ist keine pädagogische Begründung. Das Ziel muss sein, den Menschen umfassend zu bilden, damit er durch seine innere Stärke der Digitalität gewachsen ist.« 

Der Programmpunkt der Präsentation jeder einzelnen Mitgliedseinrichtung von campus A wurde seitens der Freien Hochschule von den Studenten selber gestaltet. »Bildung hat etwas mit Freude und Kreativität zu tun«, sagte Justyna aus dem A-Kurs. Mit einem Gedicht von Michael Ende aus ihrem Sprachgestaltungsunterricht amüsierte sich das Publikum wunderbar »exorbituntisch«. Eine Wand aus einzementierten Büchern, Teil einer Ausstellung, die die Kunstdozentin Olga Schiefer mit ihren Studenten präsentierte, sorgte ebenfalls für Diskussionen. Schillernd dann die Kunst-Performance »i.materie!!«, gesanglich untermalt von Angelika Luz von der Musikhochschule Stuttgart. 

Mit »Bildung der Zukunft – Bilder und Trugbilder« führten Tomas Zdrazil und Ruprecht Fried (beide Freie Hochschule Stuttgart) in die anthroposophischen Grundlagen ein. Bei der Erziehung komme es letztlich auf die Selbsterziehung an – »ein Aspekt, dem ich viel abgewinnen kann«, sagte auch Kretschmann. »Steiner hat gefragt, was bin ich eigentlich als Mensch. Seine Antworten waren revolutionär, und sie sind bis heute aktuell«, so der Ministerpräsident. 

Mehr dazu: https://www.campusa.de/bildungsart/

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