Vegetarier haben weniger Vorurteile und lehnen Autorität ab

Juli 2015

Universitätsmedizin Mainz veröffentlicht Studie zu Zusammenhängen zwischen Ernährungsform und Einstellungen gegenüber anderen Menschen.

Foto: Clemens Pfeiffer, 1190 Wien. CC BY-SA 2.0 at

Zunehmend mehr Menschen leben vegetarisch. Auch die vegane Ernährungsform ist insbesondere unter der jüngeren Bevölkerung weit verbreitet und gewinnt zunehmend an Beliebtheit. Die Studie »Diet, authoritarianism, social dominance orientation, and predisposition to prejudice« hat diesen Trend unter gesamtgesellschaftlichen Aspekten untersucht: Gibt es Zusammenhänge zwischen den Ernährungsgewohnheiten eines Menschen und den Einstellungen dieser Person gegenüber anderen Menschen? Haben Menschen, die Fleisch und tierische Produkte konsumieren, mehr Vorurteile gegenüber anderen sozialen Gruppen und Minderheiten als Vegetarier oder Veganer? Wie ausgeprägt ist ihr autoritäres und hierarchieorientiertes Denken, also welche Haltung haben sie zu autoritären Systemen und zu sozialer Dominanzorientierung?

Unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Singer vom Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin Mainz und Psychologin Petra Veser von der Universität Wuppertal, kamen die Wissenschaftler zu folgenden Studienergebnissen:

Menschen, die sich omnivor ernähren, also sowohl Getreide, Gemüse und Obst, als auch Fleisch, Fisch, Milch und Eier verzehren, weisen im Vergleich zu Vegetariern und Veganern eine höhere Neigung zu Vorurteilen auf. Bei Männern war der Unterschied deutlicher zu sehen als bei Frauen. Prof. Singer erläutert: »Wir haben in unserer Studie gesehen, dass ältere Personen generell mehr dazu neigen, Vorurteile gegenüber anderen Personen zu haben. In allen Altersgruppen gab es aber einen Unterschied zwischen Vegetariern, Veganern und Omnivoren, das heißt die Ernährungsweise hing, unabhängig vom Alter, mit der Einstellung gegenüber anderen Personen zusammen.« Psychologin Petra Veser von der Universität Wuppertal, die die Befragungen durchführte, ergänzt: »Nach der Definition von Gordon Allport bedeutet eine solche Neigung zu Vorurteilen, dass diese Personen dazu tendieren, von anderen ohne ausreichende Begründung schlecht zu denken. Zumindest haben sich diese Studienteilnehmer in dieser Weise selbst beschrieben«.

Zudem befürworten Omnivore eher autoritäre Strukturen als Vegetarier und Veganer dies tun. Petra Veser erklärt: »Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, halten offenbar nicht so stark an Althergebrachtem fest, außerdem bevorzugen sie häufiger gleichwertige Beziehungen gegenüber hierarchischen.« Auch dieser Unterschied war bei den Männern ausgeprägter als bei den Frauen. Prof. Singer: »Die Älteren in unserer Studie bewerteten Hierarchien und autoritäre Strukturen in der Gesellschaft positiver als die Jüngeren, aber auch hier sahen wir in jeder Altersgruppe einen Unterschied, je nachdem, wie die Menschen sich ernährten.«

Die Wissenschaftler haben für die Studie Daten von rund 1400 Personen im Alter von 12 bis 86 Jahren hinsichtlich deren Ernährungsgewohnheiten und sozialen Einstellungen erhoben. Jeweils ein Drittel der Befragten ernährte sich omnivor (35 Prozent), vegetarisch (31 Prozent) beziehungsweise vegan (34 Prozent). Die hohe Zahl von Vegetariern und Veganern entspricht nicht der realen Verteilung in der Bevölkerung. Die Forscher waren bemüht, besonders viele Vegetarier und Veganer zur Teilnahme zu gewinnen, um auch von diesen Gruppen statistisch verlässliche Aussagen zu erhalten.

Informationen zur Studie und zur Publikation: P. Veser , K. Taylor , S. Singer (2015). Diet, authoritarianism, social dominance orientation, and predisposition to prejudice: Results of a German survey. British Food Journal, 117 (7), 1949 – 1960; DOI: http://dx.doi.org/10.1108/BFJ-12-2014-0409

Alle Nachrichten in dieser Kategorie

Online-Petition zur Einführung der Schrift

Handschriftprobleme hindern immer mehr Schüler daran, in der Schule erfolgreich zu sein. Die Handschrift wird nicht mehr intensiv genug gelehrt und... [mehr]

Finanzielle Förderung für künftige Waldorflehrer

Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn hat in Zusammenarbeit mit dem Bund der Freien Waldorfschulen eine Förderung für... [mehr]

100 Jahre Waldorf. Ein Fest in Frankfurt – ein Fest für Hessen – ein Fest für die ganze Welt

Mit einem rauschenden Fest haben die hessischen Waldorfeinrichtungen am 15. Juni in und vor der Alten Oper Frankfurt 100 Jahre Waldorfpädagogik... [mehr]

Drogenkonsum an Waldorfschulen

Ein Dresdner Waldorfschüler führt im Rahmen einer 12.-Klassarbeit eine Umfrage zum Drogenkonsum an Waldorfschulen durch. Sie richtet sich an Schüler... [mehr]

Für einen sachorientierten Blick auf Impfungen

Die Medizinische Sektion am Goetheanum und die Internationale Anthroposophische Ärztevereinigung halten fest: Anthroposophische Medizin vertritt... [mehr]

Waldorfschulen fordern Fairness bei Staatszuschüssen

Der Bund der Freien Waldorfschulen wünscht sich stärkere soziale Durchmischung an Schulen. Nur durch eine gleichberechtigte Finanzierung von... [mehr]

Spendenaufruf: Stipendien für angehende Waldorflehrer weltweit

Bei einer ständig steigenden Zahl von Waldorfschulen wächst der Bedarf an gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern – überall auf der Welt. Die... [mehr]

Erste Hilfe für die Seele

Notfallpädagogischer Einsatz nach der Katastrophe durch Zyklon Idai in Südostafrika. [mehr]

NRW: Windrather Talschule hält Freitags-Demos nicht für »unzulässig«

In einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten Armin Laschet und die Schulministerin Yvonne Gebauer verteidigt die Windrather Talschule... [mehr]

Treffer 21 bis 30 von 1245

< Vorherige

1

2

3

4

5

6

7

Nächste >

Folgen