Waldorfschulen betreiben aktive Gesundheitsförderung

Mai 2016

Immer mehr Grundschüler haben Gesundheitsprobleme. Die Waldorfschulen betreiben aktiv Gesundheitsfürsorge für ihre Schüler und Lehrer, u.a. im Bereich Ernährung.

Bewegtes Klassenzimmer. Foto: © Karl-Dietrich Wilske

Laut einer aktuellen repräsentativen Lehrerbefragung des Forsa-Instituts im Auftrag der DAK haben die Gesundheitsprobleme bei Kindern im Grundschulalter in den letzten zehn Jahren stark zugenommen und verstärken sich während der ersten vier Schuljahre sogar noch. Waldorfschulen bemühen sich deshalb von Anfang an um die Stärkung der Gesundheits-Ressourcen ihrer Schüler im Sinne der Salutogenese, insbesondere in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Konzentration.   

Die DAK-Studie zeigt, dass Kinder im Grundschulalter vorwiegend an Konzentrationsschwäche leiden, sowie Verhaltensauffälligkeiten und Bewegungsdefizite aufweisen, während ihre Stressbelastung in den letzten Jahren enorm zugenommen hat. 91 Prozent der befragten Lehrer und Lehrerinnen bezeichneten neben zu hohem Erwartungsdruck der Eltern die mediale Reizüberflutung durch Fernsehen, Computer und Co. als wichtigsten Stressfaktor. Nicht zuletzt deshalb orientiert sich die Waldorfpädagogik an dem Leitsatz, dass eine frühe Medienabstinenz die Grundlage für spätere Medienmündigkeit darstellt (siehe »Struwwelpeter 2.0 – Medienmündigkeit und Waldorfpädagogik«).

Noch immer viel zu selten finden in den Unterricht integrierte Bewegungsphasen statt (nur bei 29 Prozent der Befragten laut DAK-Studie). Um Bewegungsdefizite von Beginn an auszugleichen, setzen inzwischen zahlreiche Waldorfschulen in den ersten Schuljahren das erprobte Konzept des »Bewegten Klassenzimmers« um. Dabei dienen kleine Bänke den Kindern wahlweise als Tisch oder Sitzmöglichkeit und werden mehrmals täglich zu wechselnden Parcours umgebaut, in denen die Kinder Geschicklichkeit, Gleichgewicht, Beweglichkeit und Selbstsicherheit trainieren können. Doch auch der wöchentlich stattfindende Eurythmieunterricht trägt in erheblichem Maße zur motorischen Förderung der Kinder bei. Er lehrt sie wie nebenbei, in der Gruppe aufeinander zu achten und schult über Gedichte und Klavierstücke ihr Sprach- und Musikverständnis. Freiwillige sportliche Zusatzangebote wie die Teilnahme am Schulzirkus vervollständigen das Angebot und die Heranwachsenden können neben einer Resilienz stärkenden Selbstwirksamkeit vor allem eines erfahren: Freude an der Bewegung als eine wichtige Ressource für ihr zukünftiges Leben (Videobeispiel).

Der früh beginnende Gartenbauunterricht und besondere Unterrichtsprojekte, wie z.B. die Ackerbauepoche in der 3. Klasse, legen die ersten Grundlagen für gesunde Ernährung und die Achtung natürlicher Lebensmittel. Wer vom Pflügen, Säen des Korns, Unkrautjäten über Ernten, Spreu vom Korn trennen, Dreschen und Malen bis hin zum Teig Verarbeiten und Backen einmal selbst erfahren hat, welche Arbeit es kostet, ein eigenes Brot herzustellen, der geht auch anders damit um. In der schuleigenen Mensa können die Schüler oft frisch Geerntetes aus dem Schulgarten verarbeiten und erhalten eine vollwertige, biologische Verpflegung.

Auch den eigenen Gesundheitszustand empfanden die befragten Lehrer als besorgniserregend und nur neun Prozent gaben an, dass an ihrer Schule Maßnahmen zur Gesundheitsförderung wie Rückzugs- und Entspannungsmöglichkeiten umgesetzt würden. Deshalb bieten immer mehr Waldorfschulen ihren Lehrern neben Bibliothek und Lehrerzimmer weitere Ruheräume. Da künstlerische Aktivitäten an Waldorfschulen eine große Rolle spielen, bieten auch sie den Schülern und Lehrern immer wieder Gelegenheiten im Tageslauf, ihre Kräfte zu regenerieren und damit auch Stresssituationen besser zu meistern. Als Ansprechpartner in Gesundheitsfragen dienen außerdem die Schulärzte, die üblicherweise an Waldorfschulen vor Ort sind und auch Eltern bei Bedarf beraten.

Alle Nachrichten in dieser Kategorie

EU-Petition für Humane Bildung

Wirtschaft und Politik treiben mit hoher Geschwindigkeit die digitale Transformation der Gesellschaft voran. Das geschieht an Schulen unter dem... [mehr]

NRW: Kindertagesstätte darf den Namen »Waldorf« nicht mehr benutzen

Im Namensrechtsprozess gegen eine Kindertageseinrichtung in Nordrhein-Westfalen ist am 16. Januar 2018 das Urteil gesprochen worden. [mehr]

Kindergesundheit: Deutschland verschenkt Billionen

Übergewicht kostet: Der deutsche Staat wird bis zum Lebensende der heute übergewichtigen Kinder und Jugendlichen schätzungsweise 1,8 Billionen Euro... [mehr]

Hilfe in kenianischen Flüchtlingslagern

Nur hundert Kilometer von der Grenze zum Südsudan entfernt liegen die Flüchtlingslager Kakuma und Kalobeyei. Hundertausende Menschen leben hier. Sie... [mehr]

Bertelsmann-Studie: Bis 2025 fehlen 35.000 Grundschullehrer

Grundschulen stehen unter Druck. Nationale und internationale Vergleiche haben jüngst gezeigt: Das Leistungsniveau stagniert und Kinder aus... [mehr]

Dottenfelder Hof erhält Bundespreis für ökologischen Landbau

Der Dottenfelderhof im hessischen Bad Vilbel ist einer der drei Preisträger des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau 2018. Am 25. Januar 2018... [mehr]

Waldorfschulen setzen auf Doppelqualifikation

Der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) fordert ein Umdenken in der Bildung und setzt auf ein Ende der Trennung von beruflicher und allgemeiner... [mehr]

Lüchow: Waldorfschule für 33 Schüler darf errichtet werden

Im Dorf Lüchow (Landkreis Rostock) darf eine Waldorfschule für 33 Schüler eingerichtet werden. Eine Versagung der Betriebsgenehmigung durch das... [mehr]

Erziehungskunst: Zwei Doppelnummern im Jahr wegen Stau

Die Erziehungskunst wird ab 2018 mit zwei Doppelnummern im Jahr erscheinen. [mehr]

Dreikönigsspiel begeistert Publikum an der Freien Waldorfschule Augsburg

Es wird nur noch selten aufgeführt an den Waldorfschulen in Deutschland: das Dreikönigsspiel. Nicht nur wegen der großen Anzahl der Mitwirkenden ist... [mehr]

Treffer 61 bis 70 von 1229

< Vorherige

1

2

3

4

5

6

7

Nächste >

Folgen