Frühkindliche Ernährung – zu viel Proteine sind schlecht fürs Kind

März 2014

Der Proteingehalt in der Säuglingsnahrung beeinflusst Körpergewicht und BMI der Kinder noch Jahre später. Das konnten LMU-Forscher um Berthold Koletzko in einer neuen Studie nachweisen.

Die Ernährung während der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit hat Folgen für das ganze Leben. Sie wirkt sich auf das kindliche Wachstum aus und beeinflusst lebenslang den Stoffwechsel. »Einer der besten Indikatoren, um das spätere Risiko vorherzusagen, übergewichtig zu werden, ist die Gewichtszunahme während des ersten Lebensjahres«, sagt Professor Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung Stoffwechsel und Ernährung am Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU.

Wie entscheidend dabei der Proteingehalt der Nahrung im Säuglingsalter ist, konnte Koletzko nun mit seinem Team in einer Studie nachweisen, über die er aktuell in der Zeitschrift American Journal of Clinical Nutrition berichtet. Die Wissenschaftler verfolgten den Body Mass Index (BMI) und die Gewichtszunahme von zwei Gruppen von Kindern, die als Babys Säuglingsnahrung mit unterschiedlichem Proteingehalt erhielten. »Kinder, deren Säuglingsnahrung einen höheren Proteingehalt hatte, hatten im Alter von sechs Jahren einen deutlich höheren BMI. Ihr Risiko, übergewichtig zu werden, war fast zweieinhalb mal höher als das jener Kinder, die proteinärmere Nahrung erhielten«, so Koletzko.

Langfristige Folgen für den Stoffwechsel

Der Body Mass Index bewertet das Körpergewicht im Verhältnis zur Größe. Er gilt bei Kindern und Kleinkindern als Maß für eine gesunde Entwicklung. Koletzko hat die Kinder erstmals im Jahr 2002 untersucht. In früheren Studien konnte Koletzko bereits zeigen, welche Folgen Säuglingsnahrung mit einem höheren Proteingehalt für die ersten beiden Lebensjahre hat: Die Kinder legten im ersten Jahr mehr an Gewicht zu und waren im Alter von zwei Jahren schwerer als Kinder, die Nahrung mit weniger Protein erhielten.

Die Folgeuntersuchung mit den Kindern, die inzwischen sechs Jahre alt waren, zeigte nun, wie langfristig die Ernährung im Säuglingsalter das Gewicht der Kinder bestimmt. Koletztko kommentiert: »Das erhöhte Risiko, im Alter von sechs Jahren übergewichtig zu sein, deutet darauf hin, dass die höhere Proteinzufuhr bei Babys nicht nur zu einer schnelleren Gewichtszunahme führt. Offenbar sind damit auch langfristige Auswirkungen auf den Stoffwechsel verbunden«.

Die Entwicklung der Säuglinge beider Gruppen wurde mit der Entwicklung gestillter Babys verglichen. Kinder, deren Nahrung dem Proteingehalt der Muttermilch entsprach, waren später auch in der Gewichtszunahme und bei der Entwicklung des BMI mit gestillten Kindern vergleichbar.

Eine optimale Ernährung von Säuglingen ist enorm wichtig, da sie die Grundlagen für die künftige Gesundheit legt. Die Studienergebnisse sind für die öffentliche Gesundheitsvorsorge von Bedeutung. Momentan führen Säuglingsnahrung und ergänzende Nahrung für Babys zu Proteineinnahmen, die höher sind als empfohlen. Die Empfehlung an Mütter, zu stillen, und eine Reduktion des Proteingehalts in der Säuglingsnahrung sind wichtige Präventionsmaßnahmen, damit Kinder nicht übergewichtig werden.

Publikation:

Martina Weber, Veit Grote, Ricardo Closa-Monasterolo, Joaquin Escribano, Jean-Paul Langhendries, Elena Dain, Marcello Giovannini, Elvira Verduci, Dariusz Gruszfeld, Piotr Socha, Berthold Koletzko, for the European Childhood Obesity Trial Study Group:

Lower protein content in infant formula reduces BMI and obesity risk at school age: follow-up of a randomized trial.

In: American Journal of Clinical Nutrition | Doi: 10.3945/ajcn.113.064071
http://ajcn.nutrition.org/content/early/2014/03/12/ajcn.113.064071.abstract

Alle Nachrichten in dieser Kategorie

Lernen als neue Triebfeder der Evolution

Darwins Buch zur Entstehung der Arten muss ab heute um ein Kapitel erweitert werden: den Geist. Denn Prof. Dr. Johannes Steidle, Tierökologe der... [mehr]

Kinder profitieren von anthroposophischer Behandlung

In einer vergleichenden Studie wurde die Frage untersucht, welche Behandlung Kinder mit akuten Luftwegsinfekten in unterschiedlichen... [mehr]

Universität Bern: Professur für anthroposophische Medizin

Die Universität Bern errichtet eine außerordentliche Professur für Anthroposophisch erweiterte Medizin – die erste in der Schweiz und eine der ersten... [mehr]

Alanus-Hochschule: Stärkung des anthroposophischen Profils

Die Alanus Hochschule baut ihre Kompetenzen in Forschung und Lehre zu den Themen Anthroposophie und Waldorfpädagogik weiter aus. In der vergangenen... [mehr]

Auf die Lehrer kommt es an

Nach der Veröffentlichung der Studie des neuseeländischen Bildungsforschers John Hattie zieht Bildungsminister Mathias Brodkorb die... [mehr]

Voneinander lernen: Vertreter der Waldorfpädagogik und Erziehungswissenschaftler diskutieren miteinander

An der Freien Hochschule Stuttgart fand ein dreitägiges Symposium zum Thema Lehrerbildung statt. Erziehungswissenschaftler und Vertreter der... [mehr]

Schlafentzug führt zu Schizophrenie-Symptomen

24-stündiger Schlafentzug kann bei gesunden Menschen zu Zuständen führen, die der Schizophrenie ähnlich sind. Das hat ein internationales... [mehr]

Experten fordern alternative Drogenpolitik

Experten haben in Berlin den ersten »Alternativen Drogen- und Suchtbericht« vorgestellt – eine Woche, bevor die Bundesregierung ihren alljährlichen... [mehr]

Auch Hausstaub schützt vor Allergien

Der frühe Kontakt zu bestimmten Bakterien im Hausstaub könnte für Kinder, die in der Stadt aufwachsen, ein protektiver Faktor gegen allergische... [mehr]

WHO: Jugendliche verwenden zuviel Schmerzmittel

Eine WHO-Studie zum Gesundheitsverhalten von Schulkindern hat eine problematische Tendenz aufgezeigt: Wie die Autoren berichten, greifen Jugendliche,... [mehr]

Treffer 61 bis 70 von 234

< Vorherige

1

2

3

4

5

6

7

Nächste >

Folgen