Waldorf-Berufskollegien gedeihen

April 2015

Berufliche Bildung wird zunehmend auch an Waldorfschulen zum Thema, seit in Nordrhein-Westfalen und in Berlin Waldorf-Berufskollegien entstanden sind. Eine neue Forschungsstelle für Waldorf-Arbeitspädagogik / Berufsbildung und ein Kompetenzzentrum an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft sollen jetzt die Kollegien beraten und diese Entwicklung wissenschaftlich begleiten.

Die Forschungsstelle wurde auf einer bundesweiten Tagung der Waldorf-Berufskollegien in der Rudolf Steiner Werkgemeinschaft e.V. Schloss Hamborn in Borchen/Westfalen vorgestellt.

Für Peter Schneider, einen der Initiatoren der Berufskollegien als neuer Form der Waldorf-Oberstufe, knüpft die Waldorfschule damit an ihren ursprünglichen pädagogischen Reformimpuls an: »Rudolf Steiner wollte eine Schule, die auf das Leben vorbereitet. Dazu gehört auch die praktische Arbeit, was heute zunehmend aus dem Blick gerät.« Steiner habe in der Arbeit einen wichtigen individuellen, aber auch sozialen Erfahrungsprozess gesehen: Arbeit als ein Tun für Andere. Dabei gelte es, Lernen und Arbeiten auf allen Stufen kontinuierlich miteinander zu verbinden, so Schneider, der emeritierter Hochschullehrer der Universität Paderborn und der Alanus Hochschule ist.

Das Waldorf-Berufskolleg gibt es bereits an sechs Orten in Nordrhein-Westfalen und an der Emil Molt Akademie in Berlin in den Fachrichtungen Gestaltung, Gesundheit und Soziales, Technik sowie Wirtschaft und Verwaltung. Es führt zur Allgemeinen Fachhochschulreife und integriert eine Grundqualifikation in den verschiedenen Berufsfeldern. Durch die Verbindung von theoretischem Lernen, beruflicher Qualifikation und künstlerischem Üben wird das duale Lernen im Konzept der Waldorf-Berufskollegs zu einem »trialen« Bildungsweg erweitert im Sinn einer ganzheitlichen Persönlichkeitsbildung.

Das Berufskolleg-Konzept der Waldorfschule trägt auch dazu bei, die allgemeine Desintegration von Lernen und praktischem Arbeiten, wie sie im gegenwärtigen Bildungssystem immer weiter voranschreitet, zu überwinden. Da die Waldorfpädagogik bereits in den Klassen 1-8 praktisch orientierte Lernprozesse integriert durch Handarbeit, Werken, Gartenbau und künstlerische Fächer, kann das Berufskolleg gut an diese Erfahrungen der Schüler anknüpfen. Wie berufspraktische Inhalte mit den künstlerischen Anteilen der Waldorfpädagogik zusammenzubringen sind, ist eine der anstehenden Forschungsaufgaben.

Die bundesweite Tagung der Waldorf-Berufskollegien fand am 23. April 2015 in der Rudolf Steiner Werkgemeinschaft Schloss Hamborn e.V. statt. 1932 von Siegfried Pickert (1898 – 2002) als Einrichtung für behinderte junge Menschen gegründet, ist die Werkgemeinschaft heute eine in ihrer Art einmalige »pädagogische Provinz«. Sie verbindet Waldorfschule, Berufskolleg und ein Landschulheim als Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe mit einem Altenwerk, einer Reha-Klinik und verschiedenen Betrieben sowie einer biodynamischen Landwirtschaft. Derzeit leben 500 Menschen ständig auf dem Gelände von Schloss Hamborn, die Werkgemeinschaft ist der größte Arbeitgeber der Gemeinde Borchen/Westfalen.

Informationen zur Forschungsstelle

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