Waldorfeltern – eine unbekannte Spezies

Von Petra Ehrler, Steffen Koolmann, Mai 2014

In einer empirischen Studie werden erstmals Eltern von Waldorfschülern in Deutschland befragt.

Waldorfeltern haben's nicht leicht. Vielfach aus tiefer Überzeugung heraus und nach kritischer Auseinandersetzung mit alternativen Schulmodellen vertrauen sie ihre Kinder der Waldorfschule an. Wenn sie dann anderen Eltern, Freunden oder Verwandten von ihrer Wahl erzählen, werden sie nicht selten mit Vorurteilen konfrontiert: Dort lerne ihr Kind doch hauptsächlich stricken und seinen Namen tanzen, dafür aber nur mangelhaft lesen und schreiben. Und überhaupt: Was fehle denn dem Kind, dass es nicht eine normale Schule besuchen könne?

In der politisch geprägten Bildungsdebatte tauchen Waldorfschulen als »Private Eliteschulen eines reichen Bildungsbürgertums« auf. Wie passt zu diesem Vorurteil das enorme Engagement von Waldorfeltern? Sie übernehmen Verantwortung, gründen, organisieren, verwalten und modernisieren »ihre« Schule – durch ihre Mitgliedschaft, ihre Schulgeldzahlungen und ihren ehrenamtlichen Einsatz bilden sie die Basis.

Über Waldorfschulen wird mittlerweile viel geforscht. Aufgrund von wissenschaftlichen Untersuchungen weiß man vieles über Schüler, Lehrer und Absolventen von Waldorfschulen. Über die Eltern weiß man nichts. Das soll sich ändern. 7.000 Eltern aus rund 120 zufällig ausgewählten Waldorfschulen in allen Bundesländern Deutschlands werden befragt. Wenn dann 7.000 Eltern im Oktober/November 2014 ihren Fragebogen ausgefüllt haben, dann liegen genaue Zahlen und Fakten vor. Befragt werden die Eltern zu ihren Lebensverhältnissen, ihren Einstellungen und Werten und zu ihrer Sicht auf die Waldorfschule. Durchgeführt wird die Untersuchung vom Institut für Bildungsökonomie an der Alanus Hochschule in Alfter. Dann endlich können die Waldorfschulen in Deutschland präzise Auskunft geben auf Fragen wie: Handelt es sich um »Eliteeltern«, ist es eine »Dummenschule für Reiche« und welche Bildungsziele haben diese Eltern für ihre Kinder? Wie sehen sie die Zukunft ihrer Waldorfschule?

www.weide-studie.de

Zu den Autoren: Petra Ehrler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Alanus Hochschule. Steffen Koolmann ist Professor im Fachbereich Wirtschaft an der Alanus Hochschule und Leiter des Instituts für Bildungsökonomie.

Zitate:

»Wir begrüßen diese Studie und bitten alle angefragten Eltern um Teilnahme, damit künftig auch die Voraussetzungen und Vorstellungen der Waldorfelternschaft in die Weiterentwicklung der Schulbewegung einfließen können.«

B. Thiemann, J. Maas, Sprecherkreis Bundeselternrat

»Der Bund der Freien Waldorfschulen hat ein großes Interesse an dieser Studie. Es ist von prominenter Seite behauptet worden, finanziell besser gestellte, bildungsnahe Eltern würden, da sie ihre Kinder vermehrt an freie Schulen schickten, die Gesellschaft spalten. Es heißt, diese Eltern seien elitär. Mit dieser Studie werden u.a. solide Antworten der Eltern zu diesen Behauptungen vorliegen.«

A. Hüttig, Vorstandsmitglied im Bund der Freien Waldorfschulen

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