Weniger Vernetzung, mehr Intelligenz

Mai 2018

Je intelligenter ein Mensch ist, desto weniger vernetzt sind die Nervenzellen in seiner Großhirnrinde. Zu diesem Ergebnis kommen Neurowissenschaftler um Dr. Erhan Genç und Christoph Fraenz von der Ruhr-Universität Bochum nach einer Studie mit einer besonderen Form der Magnetresonanztomografie, die Einblicke in die mikrostrukturelle Verschaltung des Gehirns erlaubt.

Die Wissenschaftler untersuchten die Gehirne von 259 Männern und Frauen mittels »Neurite Orientation Dispersion and Density Imaging«. Mit der Methode konnten sie in der Großhirnrinde die Menge an Zellfortsätzen, sogenannten Dendriten, messen, mit denen eine Nervenzelle Kontakt zu anderen Nervenzellen aufnimmt. Alle Probandinnen und Probanden absolvierten außerdem einen Intelligenztest. Dann setzten die Forscher die Daten in Beziehung zueinander und fanden heraus: Je intelligenter ein Mensch ist, desto weniger Dendriten besitzt er in der Großhirnrinde.

Anhand eines unabhängigen öffentlich zugänglichen Datensatzes, der im Human-Connectome-Projekt erhoben worden war, bestätigte das Team das Ergebnis. Der Zusammenhang zwischen Dendritenmenge und Intelligenz trat auch in dieser Stichprobe auf, die rund 500 Leute umfasste.

Zuvor widersprüchliche Ergebnisse lassen sich erklären

Mit den neuen Erkenntnissen lassen sich zuvor widersprüchliche Ergebnisse aus der Intelligenzforschung erklären. Diese hatten zum einen ergeben, dass intelligentere Menschen tendenziell größere Gehirne besitzen. »Man ging davon aus, dass größere Gehirne mehr Nervenzellen enthalten und somit eine höhere Rechenleistung erzielen könnten«, sagt Erhan Genç. Andere Studien ergaben allerdings, dass intelligentere Menschen, trotz ihrer vergleichsweise hohen Anzahl an Nervenzellen, weniger neuronale Aktivität beim Bearbeiten eines Intelligenztests zeigen als die Gehirne von weniger intelligenten Menschen.
Höhere Intelligenz spiegelt sich folglich in einer »schlanken, aber effizienten Vernetzung der Neurone«, resümiert Erhan Genç. »Dadurch gelingt es, eine hohe Denkleistung bei möglichst geringer neuronaler Aktivität zu erzielen«.

Originalveröffentlichung: Erhan Genç, Christoph Fraenz, Caroline Schlüter, Patrick Friedrich, Rüdiger Hossiep, Manuel C. Voelkle, Josef M. Ling, Onur Güntürkün, Rex E. Jung: Diffusion markers of dendritic density and arborization in gray matter predict differences in intelligence, in: Nature Communications, 2018, DOI: 10.1038/s41467-018-04268-8

Alle Nachrichten in dieser Kategorie

Ein zehnminütiger Test sagt mehr über künftigen Studienerfolg aus, als die Abiturnote

Die Universität Mainz und die Humboldt-Universität stellten jüngst die Ergebnisse einer vierjährigen Untersuchung vor, nach der sich die... [mehr]

Im Mittelpunkt die Medienmündigkeit – Curriculum der Waldorfschulen ab der ersten Klasse

»Medienpädagogik an Waldorfschulen – Curriculum und Ausstattung« heißt die neue Broschüre, die die Freie Hochschule Stuttgart zusammen mit dem Bund... [mehr]

PISA 2018: Deutsche Bildung im Sinkflug?

Seit der Veröffentlichung der neuesten PISA-Studie sind die Alarmisten wieder unterwegs. Von einer »neuen Bildungskatastrophe« und ähnlichem ist die... [mehr]

Wer trägt die Kosten der Energiewende?

Universität Stuttgart untersucht die finanziellen Folgen von Kohleausstieg und Energiewende für die deutschen Haushalte. [mehr]

Zweifelhafte Influencer

Fitness-Influencer prägen Jugendliche heute maßgeblich. Sie vermitteln aber nicht wirklich gesundheitsrelevante Verhaltensweisen. Sie präsentieren... [mehr]

Finanzielle Förderung für künftige Waldorflehrer

Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn hat in Zusammenarbeit mit dem Bund der Freien Waldorfschulen eine Förderung für... [mehr]

Für einen sachorientierten Blick auf Impfungen

Die Medizinische Sektion am Goetheanum und die Internationale Anthroposophische Ärztevereinigung halten fest: Anthroposophische Medizin vertritt... [mehr]

Mensch werden im digitalen Zeitalter. Netzwerktreffen in Dornach

Um sich über die dringendsten Arbeits- und Forschungsaufgaben für die Waldorfschul- und Kindergartenbewegung auszutauschen, haben sich etwa 20... [mehr]

Ausstellung: Metamorphose Mensch & Tier

Nach Darwin ist der Mensch das Zufallsprodukt eines blinden Naturprozesses. Rudolf Steiner nahm Darwins Abstammungsgedanken auf, ergänzte ihn aber... [mehr]

Universität Witten/Herdecke vom Wissenschaftsrat für weitere fünf Jahre akkreditiert

Die Universität hat die Begutachtung durch den deutschen Wissenschaftsrat erfolgreich durchlaufen und erhält neben einigen Empfehlungen und Auflagen... [mehr]

Treffer 1 bis 10 von 241

1

2

3

4

5

6

7

Nächste >

Folgen