Zweifelhafte Influencer

Oktober 2019

Fitness-Influencer prägen Jugendliche heute maßgeblich. Sie vermitteln aber nicht wirklich gesundheitsrelevante Verhaltensweisen. Sie präsentieren Ernährung und Bewegung als Mittel zur Perfektionierung des eigenen Körpers und vermitteln ein unrealistisches Schönheitsideal. Außerdem gehe es ihnen regelmäßig um die Vermarktung bestimmter Produkte. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Witten-Herdecke (UWH).

Screenshot eines youtube-Videos von Anllela Sagra

Untersucht wurde, wie Influencer zu gesundheitsrelevanten Themen kommunizieren und dadurch Jugendliche in ihrem Verhalten beeinflussen. Dazu wurden 1.000 Bilder von Deutschlands Top-50 Fitness-Influencern und teilweise Kommunikationsstränge mit bis zu 2.000 Kommentaren analysiert. Ergebnisse der Studie wurden im Springer Fachmagazin BMC Public Health veröffentlicht (DOI: 10.1186/s12889-019-7387-8).

»Jugendliche kommunizieren mit Influencern über das Internet wie mit besten Freundinnen, sie klagen über ihre Figur, kommentieren umfangreich das Aussehen, die Kleidung, das Essen ihrer Idole, und sie suchen Rat, wie auch sie so perfekt werden können«, erklärt Katharina Pilgrim, die zu dieser Thematik ihre Doktorarbeit verfasst hat. Dass die dargestellten Fotos aufwändig in Szene gesetzt und umfangreich bearbeitet sind, sei ihnen oft nicht bewusst. Jugendliche bewegen sich täglich mehrere Stunden in sozialen Netzwerken, dort informieren sie sich auch über gesundheitsrelevante Themen wie Ernährung und Bewegung. 

Hintergründe verstehen

Jugendliche gewinnen bei der Nutzung der Websites außerdem den Eindruck, dass die von ihren Idolen genutzten Produkte einen einfacheren Weg zum angestrebten Äußeren bieten. Insgesamt sei auf zwei von drei Bildern ein Hersteller, ein Produkt, eine Marke oder ein Unternehmen eingebunden, jedoch nur die Hälfte davon als Werbung gekennzeichnet worden. Die Vermarktung und damit einhergehende Einnahmen stünden somit speziell bei Fitness-Influencern eindeutig im Mittelpunkt des Interesses. 

Anlass zu Besorgnis

Die anhaltend große Zahl von Minderjährigen mit Essstörungen in Deutschland gibt Anlass zu Besorgnis: 20 Prozent sind unzufrieden mit Figur und Gewicht oder leiden an Heißhungeranfällen, jeder sechste Jugendliche zwischen 14 und 17 leidet an Übergewicht, heißt es von seiten der UWH. 

Familien, Schulen und Krankenkassen versuchen, Einfluss zu nehmen und diese gefährliche Entwicklung zu bremsen. Die Nutzung des Internets durch die Jugendlichen mache diese Aufgabe nicht leichter. Aktuelle Untersuchungen zeigten, dass 12- bis 17-Jährige täglich bis zu drei Stunden in sozialen Netzwerken verbringen. Über ein Drittel der Jugendlichen steuere dabei gezielt die Influencer-Seiten an. 

Quelle: Nexus News Agency.

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