Würde der Tiere

Februar 2015

700 Landwirte, Produzenten und Händler aus 37 Nationen kamen zur internationalen Jahreskonferenz der biologisch-dynamischen Bewegung »Wie gehen wir würdig mit den Tieren in die Zukunft?« ans Goetheanum. Von 4. bis 7. Februar ging es um eine ethisch und ökonomisch tragfähige Tierhaltung.

Goetheanum-Gärtner Benno Otter während der Vertreterkreissitzung im Anschluss an die Jahrestagung. © Goetheanum, Sektion für Landwirtschaft

In der industriellen Massentierhaltung wird das Tier zum Objekt und verliert seine Würde. Das bringt die Nutztierhaltung prinzipiell in Verruf. Für eine ganzheitliche Landwirtschaft dürfen aber Schwein, Rind und Huhn auf dem Hof nicht fehlen.

Eine wesensgemäße Tierhaltung bedeutet, das Tier in seiner Einseitigkeit und Vollkommenheit zu verstehen. Tiere rühren Gefühl und Mitgefühl, aber erst ein geschultes Empfindungsvermögen vermag ohne Sentimentalität zu erkennen, was Kuh, Schwein oder Huhn brauchen. Anders als in der menschlichen Begegnung trifft man selbst beim Säugetier nicht auf eine eigenständige Persönlichkeit. Will man dem Tier verantwortungsvoll, das heißt »menschlich« begegnen, gelingt eine Partnerschaft mit dem Tier erst, wenn man dabei auch sich selbst kennenlernt.

Eine Landwirtin: »Der Mensch zähmt die Tiere, und die Tiere zähmen uns Menschen.«
Die Ethik des Schlachtens wurde zu einer der zentralen Fragen. Die Teilnehmenden waren sich darin einig, dass Geburt und Tod der Tiere möglichst nah am Hof geschehen sollten und die Tiere nicht einer Maschinerie übergeben werden, sondern ihre Halterin, ihren Halter an ihrer Seite wissen. Devon Strong, Farmer aus Kalifornien, regte an – in Anlehnung an traditionelle kultur- und religionspezifische Rituale – zeitgemäße Formen des »Abschieds« zu finden. Zu den Entdeckungen einer spirituell orientierten Tierhaltung gehört, dass Schlachten in Respekt vor dem Wesen des Tieres sowohl für die menschliche als auch für die tierische Würde Bedeutung hat.

Eine wesensgemäße Tierhaltung verlangt hohen Arbeitseinsatz und bringt immer weniger wirtschaftlichen Gewinn. Für die weitere Entwicklung der biologisch-dynamischen Tierhaltung benannte die Tagung folgende Arbeitslinien: Tiere gehören in die Landwirtschaft, ihr Dung macht Kunstdünger überflüssig, nur durch sie wird eine Landschaft »beseelt«. Um eine nachhaltige Tierhaltung weiter auszubauen, wollen die Höfe mit den Kunden soziale Räume schaffen. Hier haben auch Gärtnereien und Parkbetreiber hohes Interesse. Die Tiere bringen somit den Menschen nicht nur zu sich selbst, sondern vermögen auch, menschliche Gemeinschaft zu initiieren.

Information: www.sektion-landwirtschaft.org

Alle Nachrichten in dieser Kategorie

Literatur und Pandemie. Anregungen für den Literaturunterricht in Krisenzeiten

Als väterliches Erbe fand sich Boccacios »Il Decamerone« in Goethes Bibliothek. Er schätzte das Werk als wirksame Therapie zur Stärkung des... [mehr]

Bundesverfassungsgericht lehnt Eilanträge zum »Masernschutzgesetz« ab, wird sich aber eingehend mit den Beschwerden befassen

Mit dem gestern veröffentlichten Beschluss vom 11. Mai 2020 hat das Bundesverfassungsgericht die Eilanträge zweier Familien abgelehnt, die... [mehr]

Die Chance in der Krise

Die Freie Hochschule Stuttgart unterstützt die Schulen in Zeiten von Corona. [mehr]

Spielerisch in die Zukunft. Wie retten wir das Lebendige?

Mit dem Ziel, möglichst viele Leben in der Corona-Krise zu retten, riskiert man, dass das Lebendige untergeht. Ohne Zweifel: Jedes einzelne Leben ist... [mehr]

Idealistinnen lebten für Frieden und Freiheit. Ausstellung »Friedensimpulse von Frauen« zu Gast in Schulen

Kurz vor der Schließung der Freien Waldorfschule Marburg wegen des Corona-Virus wurden noch Schautafeln der Ausstellung »Friedensimpulse von Frauen«... [mehr]

(K)ein normaler Schultag. Hauptunterricht in Zeiten von Corona

Die Blote Vogel Schule sieht im morgendlichen Licht besonders schön aus. Die Front aus Glas reflektiert die Sonnenstrahlen und eine kleine Schar... [mehr]

Wollen wir das alles überhaupt?

In den verschiedenen Artikeln, die bisher auf der Website der Erziehungskunst erschienen sind, setzen sich die Autoren mit den Folgen des so... [mehr]

Zur Situation von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie 2020

Eine Gruppe von Pädagogen, Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin sowie Kindergarten- und Schulärzten beschäftigt sich mit der Frage, wie wir... [mehr]

Der Bund der Freien Waldorfschulen und die Medizinische Sektion am Goetheanum zur Covid-19-Pandemie

Covid-19 hat innerhalb eines Vierteljahres das öffentliche Leben auf der ganzen Welt verändert. Das betrifft das Bildungswesen von den Kindergärten... [mehr]

Eurythmie-Webinare und heileurythmische Reiseapotheke

Anlässlich des Shutdowns wegen der Corona-Krise bietet Eurythmy4you seit 23. März 2020 Online-Webinare mit Eurythmie zur Stärkung der... [mehr]

Treffer 1 bis 10 von 1298

1

2

3

4

5

6

7

Nächste >

Folgen