Fachhochschulreife mit Textilem Gestalten

Von Juliane Ernhofer, April 2017

An der Freien Waldorfschule Schopfheim gibt es seit dem Schuljahr 2015 die Möglichkeit, im praktischen Teil beim Fachhochschulreife-Abschluss alternativ zum Fach »Holztechnik« das Fach »Textiles Gestalten« zu belegen. Die Schüler kommen aus verschiedenen umliegenden Waldorfschulen und von der Schopfheimer Schule, um hier ihre Fachhochschulreife zu erlangen.

Voraussetzung für die Zulassung zum praktischen Teil ist, dass im Laufe der Oberstufenzeit an der Waldorfschule 1.300 sogenannte fachpraktische Stunden im handwerk­lichen Unterricht sowie durch entsprechende Praktika erworben worden sind. In enger Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Freiburg und dem Berufsschulzentrum Radolfzell hat die Waldorfschule Schopfheim ein Konzept für die erstmalige Durchführung dieses neuen Unterrichtsfaches erarbeitet. Die Lerninhalte orientieren sich an den beiden ersten Ausbildungsjahren zum Maßschneider.

Die Prüfung gliedert sich in drei Teile:

1. Die Facharbeit: Die Schüler und Schülerinnen entwerfen zu Beginn des Schuljahres ihr eigenes individuelles Werkstück, das sie dann unter Anleitung selbstständig fertigstellen.

2. Mündliche Prüfung: Die Schüler präsentieren ihr Werkstück und das zugrundeliegende Schnittmuster. Außerdem tragen sie ein Referat zu einem selbst gewählten fachbezogenen Thema vor.

3. Praktische Prüfung: Die Schüler fertigen eine Arbeitsprobe an. Dafür werden sechs bis sieben Stunden angesetzt.

Die Schüler beginnen im September in wöchentlich sechs Unterrichtsstunden zunächst damit, kleinere Näharbeiten herzustellen. Dabei stellt sich heraus, was sie schon können; und sie lernen weitere Grundlagen und verschiedene Techniken des Schneiderhandwerks. Gleichzeitig arbeiten sie aber bereits am Entwurf und den Modellzeichnungen für das Werkstück. Sie besorgen Stoffe und verfeinern die Schnitte. Im Lauf des Schuljahres entscheiden sich die Schüler für ein Referatsthema und beginnen mit der Recherche und der schriftlichen Ausarbeitung.

Die Prüfung findet im Mai an zwei Tagen unter Mitwirkung der Berufsschule Radolfzell statt.

Die Erfahrung der letzten beiden Jahre hat gezeigt, dass die Schüler diese praktische Alternative sehr begrüßen und gerne annehmen. Schüler, die sich für einen textilen Beruf (Schneiderhandwerk, Modedesign, Kostümbild) interessieren, werden hier besonders gefördert und vorbereitet.

Die sehr guten Noten der letzten Abschlüsse zeigen das große Interesse und Können, welches die Schüler durch diesen Unterricht und durch den Waldorfunterricht erwerben.

Schülerstimmen

»Ich schätze es sehr, dass wir zwischen Holztechnik und Textilem Gestalten wählen können, jeder von uns hat anderswo seine Stärken und Schwächen und neben Schreinern ist das Schneidern für viele eine tolle Alternative.« – Jule

»Mir liegt diese Form der praktischen Arbeit viel mehr als das Handwerken

mit Holz, zudem ist es eine tolle Lehre, bei der man auch wichtige Tipps und Tricks für das spätere Leben lernen kann.« – Anna

»Das textile Arbeiten ist eine gute Auflockerung zu dem ganzen trockenen Schulunterricht.« – Marie

Zur Autorin: Juliane Ernhofer ist Handarbeitslehrerin an der Freien Waldorfschule Schopfheim.

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