Der lächelnde Odd

Von Maja Rehbein, Dezember 2010

Wir werden entführt in den hohen Norden zu dem Wikingerjungen Odd, der mit zwölf Jahren seinen Vater verliert. Ein großes Unglück, aber der verschlossene Odd lächelt trotzdem. Auch noch, als ein Baumstamm sein Bein zerschlägt und er hinfort nur unter großen Schmerzen gehen kann. Die Mutter heiratet wieder, doch Odd sieht sich als ungeliebten Stiefsohn. Als der Winter kein Ende nehmen will, reift in ihm ein Entschluss: Fort aus dem Dorf. Er folgt einem Fuchs, der ihn offenbar führen will. Odd kann einen Bären aus einer äußerst misslichen Lage befreien. Plötzlich hat er ein Gefolge: den Fuchs, den Bären und einen Adler, und er kommt sich vor wie einer der Ritter, von denen seine aus Schottland stammende Mutter sprach. Und die Tiere sprechen! Als sich der Bär einmal verspricht, erkennt Odd: Das sind verzauberte Götter! Der Bär ist Thor, der Adler Odin und der Fuchs Loki.

Der Leser erlebt mit Odd die nordische Sagenwelt. Und warum es in Midgard nicht Frühling wird? Weil ein Eisriese die Macht an sich gerissen hat … In Mimirs Brunnen sieht Odd vergangene Bilder, die Mutter, die zu Hause weint, und alles, was für ihn wichtig ist. Nach Asgard gelangt man nur über einen Regenbogen. Aber im Winter? Mit einer List befreit Odd den im Eis eingesperrten Regenbogen und wird nach Asgard gezogen. Dort ist alles größer und klarer als in Midgard. Odd besiegt den Eisriesen durch Furchtlosigkeit und Intelligenz; damit ist der Winter zu Ende.

Das Buch hat nur wenig mehr als hundert Seiten, aber die acht Kapitel mit je einer aussagekräftigen Illustration von Brett Helquist erzählen in dichter Form eine große Geschichte. Es ist fast durchweg gelungen, für die Schilderung dieser archaischen Welt in der heutigen Sprache die richtigen Worte zu finden. Kinder erleben eine spannende Geschichte. Doch noch mehr Vergnügen haben Erwachsene mit Kenntnissen der nordischen Mythologie. Und das Buch ruft ein sanftes Lächeln beim Leser hervor, Odds Lächeln, oder das der heiteren Göttin Freya, die ihn von seinen Schmerzen befreit. Neil Gaiman erhielt etliche Preise für sein Gesamtwerk, zuletzt die Carnegie Medal, den bedeutendsten Kinderbuchpreis Großbritanniens, für »Das Graveyard-Buch«, erschienen im selben Verlag.

Neil Gaiman: Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard. 115 S., geb. EUR 9,95. Arena Verlag, Würzburg 2010

Buch bestellen